37. Buch: Lucy Maud Montgomery, Anne auf Green Gables

Anne auf Green Gables ~ Laucy Maud Montgomery
Anne auf Green Gables ~ Laucy Maud Montgomery

Bei den verfügbaren Jugendbüchern habe ich mich für die Geschichte des Waisenkindes Anne entschieden.
Die nicht mehr ganz jungen Geschwister Marilla und der bald 60-jährige Matthew Cuthbert leben auf Green Gables, einer kleinen Farm in Avonlea. Zu seiner Unterstützung wollen sie einen Jungen aus dem Waisenhaus adoptieren, den eine Bekannte von dort mitbringen soll. Als Matthew aber am Bahnhof steht um das Kind abzuholen findet er dort statt dessen die elfjährige Anne, einen quirligen rothaariger Lockenkopf. Notgedrungen nimmt er sie erst einmal mit nach Hause um es seiner Schwester zu überlassen, ihr das Missverständnis zu erklären und sie dann zurück zu schicken. Doch schon bald schleicht sie sich in das Herz der Beiden, darf natürlich am Ende doch bleiben und von dem Tag an wird das Leben auf Green Gables um einiges turbulenter.

Ein schönes Buch, mit viel Gefühl geschrieben, man schließt sie alle ins Herz und leidet besonders mit Anne mit. Besonders liebe ich die erste „Katastrophe“ als Anne mit Mrs. Lynde, der besten Freundin von Marilla aneinander gerät. Diese sieht sie zum ersten Mal und äußert, dass das Mädchen ja spindeldürr sei und Haare so rot wie Karotten habe. Anne leidet sehr unter ihren roten Haaren und reagiert so zornig und ehrlich empört:

Was würden Sie denken, wenn jemand solche hässlichen Dinge über Sie sagen würde? Wenn jemand Sie eine alte Vettel nennen würde, die keinen Funken Fantasie hat!? Es ist mir egal, ob ich Sie damit kränke. Ich hoffe, ich habe Sie gekränkt, denn sie haben mich schlimmer getroffen als irgendjemand zuvor in meinem Leben – Mr. Thomas, den Säufer, eingeschlossen. Und ich werde Ihnen niemals verzeihen. Niemals!

Anne auf Greengables, Lucy Maud Montgomery

Und ich liebe ihre blumenreiche Entschuldigung, zu der sie sich dann doch schweren Herzens durchringt, weil Matthew sie darum bittet.

Es ist so traurig, als dann irgendwann Matthew stirbt. Dafür amüsant ihr ewiger Wettstreit mit Gilbert, der sie ebenfalls einmal gekränkt hat und dem sie das nicht verzeihen will und romantisch als eine Freundin von ihr wieder mit ihrer Jugendliebe zusammen kommt. Auch wenn es vielleicht ein bisschen sehr viel heile Welt ist, liest es sich wunderschön. Ein Jugendbuch der guten alten Zeit.

Anne auf Greengables
Lucy Maud Montgomery
Loewe

Klassiker 18 von 50 Combray

Combray ~ Marcel Proust
Combray ~ Marcel Proust

„Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust hatte ich mir auf die Liste der 50 Klassiker gesetzt, die ich innerhalb von 5 Jahren lesen wollte. Das ist ein siebenteiliger Roman. „Eine Liebe Swanns“ ist ein Teil dieses Romans, welches laut Wikipedia:

Un amour de Swann ist der Mittelteil des ersten Bandes und fällt formal aus dem Rahmen der Recherche, denn diese in sich abgeschlossene Erzählung ist aus der Perspektive eines auktorialen Erzählers in der Er-Form geschrieben, während der sonstige Roman ausschließlich eine Ich-Erzählung ist.

Wikipedia

In der Stadtbücherei fand ich „Combray“, welches laut Klappentext eine „Ouverture von Prousts Jahrhundertroman ‚Auf der Suche nach der verlorenen Zeit'“, ist.

Das erschien mir eine gute Lösung, einen abgeschlossenen Text von Proust zu lesen, der mit 287 Seiten auch noch recht überschaubar war. Mit dem Gesamtwerk könnte ich mich dann immer noch nach Abschluss dieser Challenge befassen, falls mich seine Erzählweise überzeugte.

Combray

Ein lyrisches Ich erzählt uns seine Geschichte, nimmt uns mit in die eigene Vergangenheit, mit nach Combray, einem scheinbar kleinen Ort nicht weit von Paris.

Schlaflosigkeit

Das lyrische Ich hat Schlafprobleme und nimmt uns daher mit in seine Gedankenwelt. Der erste Teil dreht sich vor allem um das Zubettgehen als Kind und seinem Bedürfnis einen Gute-Nacht-Kuss von seiner Mama zu erhalten, welcher ausfallen musste, wenn diese Gäste zum Abendessen empfing. Noch heute hat er mit diesem Kind eins gemeinsam, das lange wach liegen und nicht schlafen können.

Und so lag ich oft bis zum Morgen und sann über die Zeiten Combrays nach, über meine tristen schlaflosen Abende und auch über all die Tage, deren Bild mir erst in jüngster Vergangenheit durch den Geschmack – das, was man in Combray ‚Aroma‘ genannt hätte – einer Tasse Tee wiedergeschenkt wurde; sowie, mittels der Verknüpfung von Erinnerungen, an das, was ich, viele Jahre nachdem ich diese kleine Ortschaft verlassen hatte. über eine Liebesbeziehung, die Swann vor meiner Geburt hatte, mit all der Genauigkeit in den Einzelheiten erfuhr, die manchmal über das Leben von vor Jahrhunderten gestorbenen Leuten einfacher zu erlangen ist als über das unserer besten Freunde, und die einem ebenso unmöglich vorkommt, wie es unmöglich erschien, sich von einer Stadt zur nächsten miteinander unterhalten zu können – solange man das Mittel nicht kannte, mit dem dieser Unmöglichkeit abzuhelfen war.

Combray, Seite 286

Es geht um Erinnerungen, geweckt durch ein Aroma, eine Tasse Tee. Unsere Sinne speichern Erinnerungen und Erinnerungen sind verknüpft, nicht immer Logisch hronologisch, eher sinnlich oder durch Zusammenhänge, die für andere nicht so naheliegend sind, wie für uns, die wir es erlebt und wahrgenommen haben.

Spaziergänge

Im zweiten Teil spielen Spaziergänge durch Combray eine zentrale Rolle und die Menschen dort, Menschen aus der Familie und Menschen aus dem Ort. Es geht auch um Frauen und seine Beschreibungen sind leider sehr Mann des frühen 20. Jahrhunderts …

Und auf diese Weise habe ich von den Spaziergängen in Richtung Guermantes gelernt, jene Seelenzustände zu unterscheiden, die sich in mit zuweilen ablösen und so weit gehen können, sich einen jeden Tag untereinander aufzuteilen, wobei der eine den anderen mit der Pünktlichkeit eines

Combray, Seite 180

Fazit

Es ist eine sprachliche schöne aber keine leichte Lektüre. Die Worte sind so wohklingend und kunstvoll , dass es sogleich sicher vieles zwischen den Zeilen zu entdecken gibt, ebenso wie bei einem Gemälde. Der Sinn liegt im Auge des Betrachters. Ich bin sicher, es steckt viel mehr in fem Buch, als ich herausgelesen habe und ich wünsche mir für mich selbst, mich irgendwann dich mit „Der Suche nach der verlorenen Zeit“ zu beschäftigen.

Combray
Marcel Proust
Aus dem Französischen von Michael Kleeberg
Büchergilde Gutenberg

ausgeliehen in der Stadtbibliothek Bonn

36. Buch: Friedrich Schiller, Kabale und Liebe

Kabale und Liebe ~ Friedrich Schiller
Kabale und Liebe ~ Friedrich Schiller

Goethe und Schiller dürfen natürlich in einer Klassik-Challenge nicht fehlen. Goethe habe ich mit dem Faust bereits erledigt, von Schiller wollte ich eigentlich Wilhelm Tell lesen, weil mich schon immer interessierte, warum er seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schießt. Aber in den mir zur Verfügung stehenden Bücherregalen fand sich das nicht und auf Empfehlung meiner Tochter ist es dann Kabale und Liebe geworden. Da konnte sie mir ein Reclamheft aus ihrer Schulzeit versehen mit Herzchen und Kommentaren zur Verfügung stellen.

Es geht natürlich um die Liebe, die durch Kabale (Intrige, Ränkespiel) ein tragisches Ende nimmt. Und ja, es packt mich schon auf den ersten Seiten. Herrlich wie Miller seine Frau zusammenstaucht nachdem sie ihm den Verehrer der Tochter durch die finanziellen Vorteile schmackhaft machen will:

Schier dich zum Satan, infame Kupplerin! – Eh´will ich mit meiner Geig´auf dem Bettel herumziehen und das Konzert um was Warmes geben – eh´will ich mein Violoncello zerschlagen und Mist im Sonanzboden führen, eh´ich mir´s schmecken laß von dem Geld, das mein einziges Kind mit Seel´und Seligkeit abverdient. – Stell den vermaledeiten Kaffee ein und das Tobakschnupfen, so brauchst du deiner Tochter Gesicht nicht zu Markt zu treiben. Ich hab mich satt gefressen und immer ein gutes Hemd auf dem Leib gehabt, eh´so ein vertrackter Tausendsasa in meine Stube geschmeckt hat.

Einfach schön. Es ist gefühlvoll, lustig, spannend und tragisch. Was will man mehr? Und ja, ich möchte es gerne mal als Theaterstück (allerdings in klassischer und nicht einer modernen Version) erleben.

Kabale und Liebe
Friedrich Schiller
Reclam

Klassiker 17 von 50 Othello

Othello ~ William Shakespeare
Othello ~ William Shakespeare

Desdemona, Tochter eines venezianischen Senators, heiratet heimlich Othello, den alle als Mohr bezeichnen. Othello ist beim Herzog als Feldherr hoch angesehen, doch seine Fremdartigkeit missfällt dem Vater. In seiner rassistischen Darstellung wirkt das Werk, wenn auch sprachlich aus einer anderen Zeit, doch sehr modern.

Du hast verdammter Frevler, sie bezaubert:

Denn alles, was Vernunft hegt, will ich fragen,

Wenn nicht ein magisch Band sie hält gefangen,

Ob eine Jungfrau, zart und schön und glücklich,

So abhold der Vermählung, dass sie floh

Die reichen locki´gen Lieblinge des Volks,

Ob sie, ein allgemein Gespött zu werden,

Des Hauses Hut entfloh an solches Unholds

Pechschwarze Brust, die Graun, nicht Lust erregt?

Shakespeare, Othello, Seite 104

Doch Desdemona schwört ihn zu lieben und weigert sich zum Vater zurück zu kehren, während ihr Gatte erneut in den Krieg ziehen muss.

Dann ist da der junge Venezianer Rodrigo, schwer verliebt in Desdemona. Sein bester Freund Jago ist Othellos Fähnrich verspricht ihm Hilfe.

Welches Spiel spielt Jago? Ist er guter Freund, treuer Diener oder doch nur sich selbst verpflichtet und alle anderen seine Figuren in einem leidenschaftlichen Spiel?

Stilvoll wie es sich für eine Shakespeare Tragödie gehört, überleben nicht alle Figuren …

In meiner Sammelbox ist Othello gleich nach Romeo und Julia abgedruckt und dort scheint es mir bestens aufgehoben.

Und die Moral von der Geschicht?
Trau keinen Gerüchten nicht!

Klassiker 16 von 50 – Gullivers Reisen

Gullivers Reisen ~ Jonathan Swift
Gullivers Reisen ~ Jonathan Swift

Seit ich „Besuch aus Lilliput“ als Kind gelesen habe, will ich Gullivers Reisen lesen.

Endlich habe ich es geschafft und die Geschichte beginnt mit dem berühmten Bild des Gulliver, der mit Seilen gefesselt am Boden liegt, während sechs Fuß große Männchen auf ihm herumlaufen und ihn mit Pfeil und Bogen bedrohen.

Das Leben in Lilliput wirkt geordnet und gerecht, abgesehen von der Bedrohung von außen, um die Gulliver sich kümmert. Doch dann berichtet er von der lieblosen Kindererziehung, die auf gewisse Weise auch geordnet und gerecht, abläuft, aber eben extrem nach einem Schema, fern des Elternhauses, frei von Fürsorge, wenn auch frei von Leid, wie es scheint.

Gullivers nächste Reise führt ihn zu den Riesen. Diesmal ist er der Winzling. Auch diese Gesellschaft ist völlig anders, als die damalige europäische Lebensweise des beginnenden 18. Jahrhunderts, wie auf all seinen vier Reisen. Jonathan Swift überspitzt die Probleme der damaligen Zeit, setzt ihnen satirische Alternativen entgegen und zeigt einen Spiegel auf. Es ist amüsant und teilweise irritierend zu lesen.

Die dritte Reise führt zu einem Volk, dass sowohl menschlich ist, als auch Gullivers Körpergröße entspricht. Das Verhalten dieser Menschen, die auf einer fliegenden Insel leben ist allerdings völlig absurd. Es gibt dort Klatscher, die den Redenden und Zuhörenden aus Mund und Ohren klatschen, damit sie sprechen und zuhören können …

Auf der vierten Reise wird Gulliver von seiner eigenen Schiffsmannschaft von Board getrieben und die Reise führt ihn zu einem Pferdevolk. Dort leben auch menschenähnliche Wesen als Tiere … Letztendlich fürchtet er die Rückkehr zu den Menschen und die ersten Menschen, denen er begegnet, starren ihn irritiert an, weil seine Sprechweise so wiehernd ist.

Fazit

Gullivers Reisen ist eine lohnenswerte Lektüre, unterhaltsam, wenn auch stellenweise sehr schräg. Die Geschichte scheint auch stark geprägt vom Weltbild des beginnenden 18. Jahrhunderts, was Politik oder das Frauenbild angeht.

Eine Stärke von Satire ist es, Schwächen auf humorvolle Art aufzuzeigen, indem Dinge, die auf den ersten Blick gewöhnlich erscheinen, völlig absurd werden und so besser hinterfragt werden können. Ein moderner Gulliver könnte uns vielleicht ganz gut tun. Zum Glück gibt es den Postillon und andere Satire-Magazine.


Gullivers Reisen
Jonathan Swift
gelesen als lizenzsfreies eBook

Klassiker 15 von 50 – Der Zerbrochene Krug

Der zerbrochene Krug ~ Heinrich von Kleist
Der zerbrochene Krug ~ Heinrich von Kleist

Die Katze hat Junge in der Perücke des Richters bekommen, deswegen könne er sie nicht tragen, lautet die offizielle Erklärung. Vielleicht kam er auch einfach nur ohne sie heim und benötigt eine Ausrede für den Gerichtsrat Walter, der zur Prüfung vorbei kommt. Ein Ersatz lässt sich jedenfalls nicht auftreiben.

Der Streitfall ist ernst: Ein Krug wurde in der letzten Nacht zerbrochen. Ein gar geschichtsträchtiger Krug. Wer tat dies? Der Ruprecht oder der Leprecht? Die Mutter ist erzürnt, das Evchen schweigt …

„Ein Lustspiel“ von Heinrich von Kleist

Erst einmal musste ich mich an die Sprache gewöhnen, aber dann war es ein wirklich amüsantes Stück über eine ernste Angelegenheit. Absurd ein wenig und doch herrlich altmodische Satire, wobei es als Lustspiel bezeichnet wird. Ich will nicht zu viel verraten, nur so viel: Das hochehrwürdige Gericht wird vorgeführt und deutlich, dass es nicht unfehlbar ist. Auch Richter sind Menschen und nicht immer die ehrbarsten. Machtmissbrauch ist ein zeitloses Problem, leider.

Entstanden sein soll das Stück nach einer Wette als Erzählung zu einem Kupferstich, welches eine Gerichtsszene abbildet. (Quelle Wikipedia)


Der zerbrochene Krug
Heinrich von Kleist
gelesen als lizenzfreies eBook