Ein Gastbeitrag von der Mutkomplizin Petra Stössel

In diesem Beitrag möchte ich meine wunderbare Freundin Petra Stössel zu Wort kommen lassen. Ich habe sie als die MutKomplizin auf einem virtuellen Barcamp kennen gelernt und sie ist mir eine wunderbare Inspiration und Wegbegleiterin geworden.

Sie strahlt voller Lebensfreude, auch wenn es ihr das Leben keineswegs leicht gemacht hat. Dafür hat sie einiges zu erzählen und das tut sie auch gerne. Die Bühne ist für sie ein besonderer Ort und so bat ich sie spontan einen Gastbeitrag darüber zu schreiben, das hat sie getan. Ich wünsche dir viel Spaß beim Lesen, lass dich von Petra verzaubern und nimm eine Portion Mut mit.

Ich kann meinen Herzschlag hören und hoffe, dass es nur mir so geht. Es sind nur noch sehr wenige Minuten. Wenige Minuten, die nicht nur über die nächsten Minuten sondern Stunden, Tage, Monate, Jahre entscheidend sein können.

Darüber mache ich mir jedoch erst später Gedanken, respektive ich werde es fühlen sobald ich die Bühne betreten habe.

Die Bühne …

Dieses Mal ist sie etwas erhöht, so dass ich einige Stufen hinter dem Vorhang hochsteigen darf. Mit gestärktem Rücken, entschlossenem Blick und sicher immer noch sehr laut schlagendem Herzen. Ich gehe Schritt für Schritt und sofort umgibt mich eine besondere Atmosphäre … Ich atme tief durch und gehe lächelnd nach vorne!

Die Bühne …

Sie ist mittlerweile mein Zuhause und immer kurz davor mein wahrer Untergang. Nicht nur mein Herz schlägt dann lauter, sondern alles dröhnt in mir. Ich spüre sämtliche Körperflüssigkeiten durch unzählige Ebenen fließen und mir ist heiß & kalt zugleich. Mein Fokus liegt auf meinem Atmen, den ich schon eine ganze Zeit vorher immer mehr steuere, damit er meine gesamten Wallungen immer wieder herunterfährt.

Mein Mind orchestriert regelrecht alle Körpersensationen und jedes Mal frage ich mich, warum ich mir das immer und immer wieder „antue“. Die ganze Aufregung, die ganze Anspannung, den ganzen Stress in vollumfänglichen Variationen!

Die Bühne…

Sie ist Freund und Feind zugleich und ich liebe sie trotz alledem und gerade deshalb abgöttisch! Ich kann mir ein Leben so ganz ohne sie nicht mehr vorstellen!

Wie oft dachte ich schon, ich sterbe? Wie oft fiel mir kurz vorher kein Wort meiner Rede mehr ein? Wie oft war ich einem Nervenzusammenbruch schon nahe?

Petra Stössel

Petra Stössel

Und dann kommt der allseits gefürchtete Moment! Ich betrete sie! Die Bühne! Voller Aufregung und auch mit ein wenig Ehrfurcht.

Und im Saal wird es plötzlich mucksmäuschenstill. Alle Augen sind erwartungsvoll auf mich gerichtet. Auf mich, die da vorne ganz alleine im mehr oder weniger gelungenem Scheinwerferlicht steht und erstmal so gar nichts im Raum erkennen kann.

Wie oft erzählen mir die Menschen, dass genau dieser Moment der blanke Horror für sie ist? Dass sie sich total ausgeliefert fühlen würden, total nackt und ganz klein. Was hätten sie denn auch schon zu sagen und nicht nur deshalb würden sie ungern bis niemals eine Bühne betreten.

Diese Gedanken & Fragen hatte ich alle auch schon und wenn mir jemand vor einigen Jahren gesagt hätte, ich würde mal auf einer Bühne stehen und sogar Spaß daran haben, ich hätte sehr vehement meinen Kopf geschüttelt.

Und dann habe ich es gemacht! Und ich bin nicht gestorben! Und schon nach wenigen Auftritten habe ich mich „dort oben“ einigermaßen wohlgefühlt, wenn auch nicht immer sicher.

Und trotzdem tat und tue ich es immer wieder und es ist mir total schnuppe, ob mir zwei oder 200 Menschen zuhören. Jede*r ist etwas Besonderes, jede*r mein einzigartiger Gast und nein, die ganz großen Bühnen reizen mich nicht.

Ich liebe die kleinen, feinen, nahbaren Auftrittsflächen. Auf Augenhöhe mit meinem Publikum und das in vielerlei Hinsicht. Ich liebe die Interaktionen mit jeder einzelnen Person, sofern diejenige Lust & Laune dazu hat. Ich zwinge Niemanden zu Nichts und erst recht führe ich auch Niemanden vor.

Jede*r trägt eine Botschaft in sich. Jede*r hat etwas zu sagen und jede*r kann mit seinen und ihren Erfahrungen ganz sicher viele weitere Menschen impulsieren, sie zum Nachdenken und vielleicht sogar zum Handeln bringen.

Das mache ich am liebsten! Nicht nur deshalb stehe ich gerne in einem mehr oder weniger starken Rampenlicht. Bühnen können überall sein, z.B. der Platz als Podcast-Gast oder die Mitte eines Raumes und nichts davon muss (künstlich) erhöht sein.

Sicher rede ich mehr, als mein Publikum. Vielleicht spreche ich das aus, was sie schon längst einmal sagen wollten oder was sie auch beschäftigt. Vielleicht sind sie dankbar, dass mal Jemand das klar & deutlich äußert. Vielleicht wollen sie „nur“ unterhalten, bereichert oder auch motiviert werden.

Ich mache das gern alles, bin unkonventionelle Botschafterin, Sprachrohr, Impulsgeberin und auch Ventil für Menschen, die lieber schweigen. All das ist okay und willkommen für mich!

Selbst wenn ich kurz vorher immer vor lauter Lampenfieber vielfältig sterbe, stehe ich trotzdem immer wieder auf, sammele mich so gut es eben geht, und gehe hoch erhobenen Hauptes auf die Bühne. Ohne Lampenfieber geht es nicht! Sollte ich mal keines mehr verspüren, betrete ich keine Bühne mehr, ganz so wie es Udo Lindenberg einst sagte.

Die Luft flirrt, oft ist es zu warm und sicher nicht nur ich stehe unter Anspannung. Und wenn ich dann „da oben“ stehe – sofern es überhaupt eine Erhöhung gibt – hole ich noch einige Mal tief Luft und schaue mich lächelnd um. Ich achte darauf, ob mir Jemand entgegen lächelt und wähle diesen als „Anker“, wo ich also immer wieder mal hinschaue, um mich von dieser Wertschätzung ermutigen, bestärken und motivieren zu lassen.

Das ist eines meiner Geheimnisse für mein Lampenfieber und das ich immer sehr gut vorbereitet bin. Doch schon nach wenigen Minuten bin ich in meinem Element und genieße jeden einzelnen Moment. Ich achte auf die Reaktionen und darauf, dass ich mich nicht aus meinem roten Faden verliere. Ich gehe in Interaktion mit meinem Publikum, stelle hin und wieder eine Frage und vergesse niemals mein Lächeln. Jede Faser meines Körpers entspannt sich und versprüht meine Leidenschaft und wenn diese Welle dann mein Publikum erreicht und zu mir zurückschwingt, dann bin ich im Moment angekommen und fühle diesen mit allen Sinnen. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich und nicht nur deshalb werde ich auch weiterhin auf Bühnen gehen & stehen und lade Dich ein, es unbedingt auch einmal zu probieren.

Auch Du hast sicherlich etwas zu sagen und kannst Menschen bereichern. Und wenn nur eine*r hinterher etwas Hoffnung, Mut & Zuversicht, was auch immer für sich mitnimmt, glaube mir, das ist das schönste Gefühl und für mich immer wieder der erfüllendste Lohn.

Probiere es gerne aus und es muss auch nicht sofort das „ganz Große“ sein. Alleine, wenn Du Dich in einer Gruppe zu Wort meldest, dann ist das Deine Bühne.

Ich wünsche Dir von Herzen gutes Gelingen und winke mir gerne kurz zu, wenn Du mich mal auf einer Bühne stehen siehst. Ich freue mich immer über ein fröhliches Lächeln und schenke Dir dann gerne meines zurück.

***

Mehr über Petra erfährst du auf ihrer Webseite oder vernetze dich mit ihr über LinkedIn. Sie ist stets offen für ein Kennenlerngespräch.

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