Buchvorschlag 3

Alleine weiterleben ~ Eva Terhorst
Alleine weiterleben ~ Eva Terhorst

Auf der Suche nach Trauerbüchern bin ich sehr schnell Eva Terhorst als Autorin begegnet. Der Klappentext von „Alleine weiterleben“ hat mich neugierig gemacht und besonders angesprochen. So habe ich mir das Buch gekauft, als mein Mann schon einige Monate tot war.

Der Verlust des Partners, Ehemanns oder Lebensgefährten ist ein Schicksalsschlag. Wenn der geliebte Mann gestorben ist, erschüttert dies Körper, Geist und Seele. Eva Terhorst beschreibt in ihrem neuen Buch, wie Frauen die vielfältigen Herausforderungen nach dem Tod ihres Partners bestehen können. Sie begleitet die Frauen in der Zeit der Umwälzung, gibt Impulse, konkreten Rat sowie Tipps und unterstützt die Witwen mit Affirmationen und Traumreisen.
So können Frauen ihren heilsamen Weg durch die Trauer finden.

Alleine weiterleben, Eva Terhorst

Meine erste Reaktion, nachdem ich das Buch zum ersten Mal gelesen hatte war: „Das hätte ich früher lesen sollen.“ Für mich ein Buch, das man insbesondere wegen der praktischen Tipps unmittelbar nach dem Verlust des Herzensmenschen bräuchte. Nur hier liegt das Problem – da denkt man meist noch nicht über Trauerbücher nach.

Doch der Reihe nach.

Zum Inhalt

Das Buch richtet sich nicht allgemein an Trauernde, sondern speziell an Witwen, bzw. an Frauen, die ihren Partner durch den Tod verloren haben. Es ist sehr vielfältig und greift auf seinen 160 Seiten viele verschiedene Themen auf.

Es holt uns zunächst auf der Gefühlsebene ab, so dass man sich angenommen und verstanden fühlt. Dann folgt ein Kapitel, indem es um die körperlichen Auswirkungen der Trauer geht.
Weiter geht es mit den praktischen Dingen, den vielen Aufgaben, die jetzt zu bewältigen sind. Es folgt ein Kapitel, das sich mit trauernden Kindern befasst, danach kommt ein Rückblick auf die letzten Momente, aber auch auf die weitere gemeinsame Vergangenheit, indem es auch um alte Wunden und den Umgang damit geht.
Ungewöhnlich das darauf folgende Kapitel „Exfrauen und Geheimnisse“. Dieses Thema ist mir so in keinem anderen Trauerbuch begegnet.

Das letzte Drittel des Buches beschäftigt sich dann mit dem Blick nach vorne. „Veränderung aushalten und gestalten“, „Die Liebe weiterleben und die Erinnerung pflegen“ bis hin zu „Eine neue Liebe“. Es endet dann mit Tipps zu speziellen Angeboten für Witwen und einer Liste von Literaturempfehlungen.

Was das Buch allerdings ganz besonders macht, sind die Traumreisen, die man lesen, sich aber auch zum Hören kostenlos herunterladen kann.

Die Traumreisen

Ich mag Traumreisen, aber diese sind schon sehr speziell und waren nicht so ganz meins. Gar nicht klar kam ich mit der Traumreise „Begegnung im Park“, einer Traumreise, bei der man dem Verstorbenen begegnen und mit ihm sprechen kann.
Ich weiß aber von anderen Trauernden, dass sie gerade diese Traumreise lieben und als sehr hilfreich empfinden. Das muss halt jede für sich persönlich heraus finden.

Die Traumreise „Wenn die Sehnsucht zu groß wird“ finde ich jedoch sehr schön.

Gut gefallen hat mir auch die Traumreise für Kinder „Dein Papa bleibt immer in deinem Herzen“ und ich glaube, dass diese wirklich hilfreich sein kann. Schön auch die Empfehlung sie erst einmal gemeinsam mit dem Kind zu hören.

Mein Eindruck

Zunächst gefällt mir der Untertitel „Den heilsamen Weg der Trauer finden“, das ist ja genau das, was wir uns wünschen.

Besonders berührt hat mich der innenliegende Klappentext. Hier habe ich mich in jedem Satz wieder gefunden. Damit hatte Eva Terhorst es etwas schwer mit mir, hatte es schwer, die hier geweckte Erwartung zu erfüllen.

Sehr gut auch der Aufbau und die Einteilung. Gelungen die einzelnen Kapitelüberschriften, dank denen man ganz schnell findet, welchen Abschnitt man gerade braucht.
Ein Buch, das man nicht am Stück lesen muss, sondern indem man gleich zu dem Kapitel springen kann, das einen gerade anspricht. Auch wieder ein Buch, bei dem man sich verstanden fühlt, wobei es mir stellenweise etwas zu emotional war.

Besonders gut fand ich das Kapitel „Herzbewegungen“ und hier vor allem den Abschnitt „alte Wunden“. Verstorbene werden ja oft verherrlicht, aber es gibt sie wohl bei den meisten, diese alten Verletzungen. Hierzu gibt es hilfreiche Hinweise zum Umgang damit.

Klasse fand ich auch den Abschnitt, der sich mit Reaktionen aus dem Umfeld befasst und uns Tipps gibt, wie man hiermit umgehen könnte.

„Wie geht es dir?“, erscheint den meisten Menschen gegenüber Trauernden als passende Frage, es gibt aber meistens keine passende Antwort darauf, jedenfalls keine, die Sie mal eben so auf der Grillparty geben könnten. Auf diese und alle anderen Fragen können Sie aber immer antworten: „Ich weiß gerade keine Antwort.“ Oder lenken Sie die Aufmerksamkeit von sich selbst ab: „Ach lass uns doch lieber über dich reden.“

Alleine weiterleben, Eva Terhorst

Hilfreich sicher auch der Abschnitt, der sich mit der Trauer bei erwachsenen Kindern befasst und der „Ungleichzeitigkeit der Gefühle“.

Besonders schön, dass Eva Terhorst gegen Ende des Buches in Kapitel 9 noch einmal darauf eingeht, dass wir unseren Verstorbenen nicht loslassen müssen.

Die Liebe endet nicht mit dem Tod, wir müssen unsere Liebe nicht loslassen, sie kann weiterhin unser Herz wärmen, wir können uns von dieser Liebe durch schwere Zeiten tragen lassen und sie darf uns auch in guten Zeiten weiterhin begleiten. Das Wissen darum, dass die Liebe über den Tod hinausreicht, kann unser ganzes weiteres Leben und alles, was darin vorkommt, bereichern.

Alleine weiterleben, Eva Terhorst

Was mich jedoch gestört hat, war das Kapitel „Was im Körper passiert“, das leider schon sehr früh kam. Ja, es ist vielleicht gut, den Hinweis zu bekommen, dass der Basen-Säure-Haushalt durch den emotionalen Stress aus dem Gleichgewicht kommt, aber nein, in der akuten Trauerphase habe ich nicht die Kraft meine Ernährung grundsätzlich umzustellen und zum Vegetarier oder gar Veganer zu werden.

Fazit

„Alleine weiterleben“ ist ein Buch, indem eigentlich jede Frau, deren Partner verstorben ist, etwas finden kann, das sie anspricht und ihr weiterhilft. Ein Buch, das sehr viel Hilfreiches beinhaltet und damit auf jeden Fall sein Geld wert ist. Allerdings zählt es nicht zu meinen persönlichen Lieblingsbüchern.

Nachdem ich meinen Beitrag hier noch einmal lese, frage ich mich selber warum. Wahrscheinlich hat es mit meiner Ablehnung der Traumreisen zu tun. Ganz sicher hatte sie es nach Seite 18 mit ihren rigerosen Ernährungstipps – auch wenn sie selbst schreibt, dass wir hierzu vielleicht gerade nicht Kraft haben – schwer mit mir.

Diese innere Abwehr hat mich dann leider auch durch den Rest des Buches begleitet. Beim zweiten Lesen habe ich dieses Kapitel dann ausgelassen und fand das Buch gleich sehr viel besser.

Ich weiß aber von anderen Trauernden, dass diese gerade die Bücher von Eva Terhorst lieben.
Empfehlen kann ich das Buch auf jeden Fall und das nicht nur für Witwen. Es ist sicher auch interessant für Menschen, die Trauernde in ihrem Umfeld besser verstehen und/oder unterstützen wollen.

Weitere Trauerbücher, die ich hier bereits vorgestellt habe sind: „Trauer hat heilende Kraft“ von Jörg Zink und „Trauernacht und Hoffnungsmorgen“ von Antje Sabine Naegeli

Alleine weiterleben
Eva Terhorst
Verlag Herder, 2018
ISBN 978-3-451-60038-8

Meine Briefe – ein Erlebensbericht

ein angefangener Brief mit schreibender Hand, daneben eine Rose, Schokolade und ein Glas Wasser

In der letzten Woche habe ich euch die Übung „Der nie geschriebene Brief“ vorgestellt.

Da ich euch mit meinen Briefen nicht beeinflussen wollte, habe ich diesen Beitrag geteilt. So erzähle ich euch erst jetzt wie es für mich war, diese Briefe vier Monate nach dem Tod meines Herzensmenschen zu schreiben. Falls ihr den Beitrag von letzter Woche noch nicht kennt, solltet ihr diesen bitte zunächst lesen.

Falls du die Übung noch machen möchtest lies diesen Teil bitte erst danach!

Wie war es bei mir

Super! Es floss wirklich ohne viel Nachdenken einfach aus mir raus. So habe ich auch keine 15 Minuten pro Brief gebraucht, sondern war deutlich vorher fertig. Und nein, ich habe keinerlei Erfahrungen mit solchen Übungen, aber diese war irgendwie genau meins.

Diese Aufgabe hat bei mir so einiges geklärt. Ich konnte manches loslassen und das Schreiben hat mich in meiner Dankbarkeit und Liebe gestärkt und ja, hat mir irgendwo auch Frieden und vor allem Mut zum weiter leben geschenkt.

Brief 1

Der Brief an den Verstorbenen war der Brief, der allen Teilnehmern am leichtesten gefallen ist. Bei mir reihten sich die „Warum-Fragen“ aneinander und ich war überrascht, wieviel mir da so spontan kam. Es ging dabei um konkrete Situationen/ Gefühle aus dem gemeinsamen Leben. Dieser Brief alleine war schon befreiend.

Brief 2

Der Brief aus Sicht des Verstorbenen. Auch dieser Brief floss so aus mir raus und war so ein Geschenk für mich, war vielleicht der Wertvollste von allen. Der zentrale Satz in diesem Brief: „Ich war wie ich war, aber ich habe dich immer geliebt“.
Es folgten der Ausdruck von Dankbarkeit und vor allem die Aufforderung mein Leben weiter zu leben. Und ja, das waren nicht meine Worte, das waren die Worte von Klaus! Ich danke dir dafür ❤️.

Brief 3

Auch dieser Brief hat sich für mich gelohnt, weil ich darin zu dem Ergebnis gekommen bin: mit der Wunschperson wäre mein Leben sicher leichter gewesen, aber irgendwie auch langweilig. Ohne Kampf hätten wir nicht das erreicht, was mein Mann und ich erreicht haben und nein, mit der Wunschperson wäre ich nicht glücklich geworden. Mein Mann war trotz seiner Fehler (ja sorry, er war genauso wenig perfekt wie ich) genau der Richtige für mich.

Brief 4

Der Brief aus neutraler Sicht. Für mich ebenfalls eine sehr gute Aufgabe. Hier habe ich mich so richtig tüchtig ausgeschimpft und mir den Kopf zurecht gerückt. Wunderbar, denn, wenn man das selber macht, tut es nicht weh sondern ist sehr befreiend und klärend.

Begeistert bin ich auch im Nachhinein noch von dem Schlusssatz meines Briefes, der mir damals auch ganz spontan kam und mir ganz viel Frieden geschenkt hat.

Der Brief: Was ich dir noch sagen wollte…

Schreiben hilft

Vielleicht habt ihr alle schon einmal gemerkt, dass es hilfreich ist, sich Dinge von der Seele zu schreiben. Mir hilft es auf jeden Fall und so habe ich hier ein schönes Heft liegen, das meine Tochter mir geschenkt hat und in das ich unregelmäßig schreibe, was mich in der Trauer belastet oder mir auch Positives begegnet ist.

Mehrfach habe ich auch schon an jemanden, der verstorben ist, einen letzten Brief geschrieben, um damit Abschied zu nehmen. Der Schreibprozess an sich tut mir jedes Mal gut. Es schließt sich die Überlegung an, was man dann damit macht.

Man kann den Brief an einen Verstorbenen danach aufbewahren und vielleicht später noch einmal lesen – man kann ihn und die Gedanken auch ganz bewusst loslassen. Dazu könnte man ein Ritual finden und den Brief vielleicht verbrennen, zerreissen und dann verstreuen, mit einem Luftballon aufsteigen lassen oder ihn sogar mit ins Grab geben.

Der nie geschriebene Brief

Bei einem Trauerseminar habe ich die folgende hilfreiche Übung kennen gelernt. Die Seminarleiterin Simone Osteroth nannte diese „Der nie geschriebene Brief“ und ja, es geht um die nie gesagten Worte.

Der Grundgedanke

Es geht darum, etwas aufzuarbeiten, was noch zwischen dir und der verstorbenen Person steht. Das soll dann aber nicht nur aus der eigenen sondern auch aus Sicht der verstorbenen Person betrachtet werden. Hier geht es also zusätzlich zu der befreienden Wirkung des Schreibens an sich vor allem um den Perspektivwechsel.

Wenn ich mir die eigentliche Aufgabenstellung heute noch einmal ansehe, würde ich sie heute anders interpretieren. Wie ich es für mich umgesetzt habe, stelle ich euch hier vor.

Beim Schreiben kommt natürlich wieder viel hoch und es ist völlig normal, wenn hierbei die Tränen fliessen. Lasst es zu und nehmt es so an, wie es kommt. Vielleicht rufen diese Briefe aber auch positive Gefühle hervor und bringen euch sogar zum Lachen. Alles ist möglich.

Geht aber bitte behutsam daran. Solltest du merken, es tut dir gerade nicht gut, brich ab. Diese Übung soll dir ja helfen und nicht zusätzlich runterziehen. Spüre, wann der richtige Moment dafür da ist.
Mir hat sie auf jeden Fall sehr sehr gut getan.

Die Aufgabe

Es geht darum in einem Zeitfenster von jeweils maximal 15 Minuten unmittelbar hintereinander vier Briefe zu schreiben. Rein intuitiv, ohne viel zu denken; einfach loslassen, was einem auf der Seele brennt, das rauslassen, was man dem anderen nie gesagt hat, aber jetzt noch gerne sagen oder fragen würde.

Brief 1

richtet sich an den Verstorbenen in direkter Anrede. Hier geht es darum, über Gedanken zu schreiben, die man diesem nie anvertraut hat. Ihm jetzt zu sagen, wie man sich in manchen Situationen gefühlt hat. Ehrlich und direkt.

Brief 2

Wir schreiben nun auf unseren ersten Brief eine Antwort aus Sicht des Herzensmenschen. Hier findet also der erste Perspektivwechsel statt. Hierbei braucht man nicht nur auf das antworten, was uns in Brief 1 bedrückt hat, kann dieses noch ergänzen mit dem, was der Verstorbene uns vielleicht noch gerne gesagt hätte.

Brief 3

geht an die Wunschperson. Wir stellen uns nun also den Verstorbenen als den perfekten Menschen vor und übertragen die Situation von Brief 1. Diese wäre dann natürlich anders verlaufen, weil der pefekte Mensch anders reagiert hätte – vielleicht hätte es die beschriebene Situation dann so gar nicht gegeben. Auch hier geht es dann um unsere Gefühle dabei.

Brief 4

geht an die emotionale Person aus Brief 1 und wird geschrieben aus Sicht einer neutralen Person. Diese Person ist also so ein wenig Schiedsrichter, muss aber nicht vorsichtig sein, sondern darf uns schon ordentlich den Kopf zurechtrücken.

Vorbereitung

Such dir einen passenden Ort, an dem du dich wohl fühlst. Nimm dir einen Lieblingsstift, schönes Papier und vergiss die Taschentücher nicht. Für hinterher oder nebenbei vielleicht ein paar Riegel Schokolade, Gummibärchen oder was du gerne magst und denk auch an ein Getränk.
Bei mir war die Gier nach Schokolade im Anschluss an diese Übung riesig. Zum Glück war die Seminarleiterin auch hierauf vorbereitet :-).

Nur Mut

Es klingt vielleicht erst einmal furchtbar aufwendig, vier Briefe zu schreiben und dafür eine Stunde zu investieren, aber diese Stunde ist so wertvoll, ist ein Geschenk, das du dir machst! Es lohnt sich. Ich nehme schonmal vorweg, dass ich früher fertig war und mir die Zeit überhaupt nicht lang vorkam.

Fang einfach an!
Wie immer du es durchführst, ist es richtig, ist es dein Weg.

Ausblick

Da ich dich mit meinen Briefen nicht beeinflussen will, habe ich diesen Beitrag hier geteilt. So erzähle ich erst nächste Woche, wie es für mich war diese Briefe zu schreiben.

Diese Übung kann unabhängig von der Trauer auf andere Lebenssituationen übertragen und wiederholt werden. Mit zeitlichem Abstand ist das Thema vielleicht anders …

Meine ersten besonderen Tage

Schiff am Kai vor Hochhäuserner
Auf diesem Schiff haben wir unser letztes gemeinsames Silvester verbracht

Es gibt so viele erste Tage und auch so viele erste Male ohne Klaus, so dass ich nur auf einige hier eingehen werde. Den allgemeinen einleitenden Beitrag hierzu findet ihr hier.
Heute wird es persönlich, heute erzähle ich euch, wie ich die ersten besonderen Tagen verbracht und wie ich mich an diesen gefühlt habe.

Der erste Hochzeitstag ohne ihn

Der erste besondere Tag, den ich bewältigen musste, lag gut zwei Monate nach seinem Tod und war unser Hochzeitstag. Es wäre unser neununddreißigster gewesen.
Für mich erstaunlicher Weise der Tag, vor dem ich zwar etwas Angst, aber nicht die Panik hatte, die mir später noch begegnen sollte. Diesen Tag hatte ich als einen bewussten Erinnerungstag geplant. Ich wollte diesen Tag alleine verbringen, doch eigentlich war ich das nicht. Irgendwie war mir Klaus an diesem Tag ganz besonders nah. Gefühlt haben wir ihn so zusammen verbracht.

Für den Tag hatte ich einen Plan und eine Aufgabe.
Mein Mann wollte mir immer gerne Schmuck schenken und hatte bei unserem letzten Urlaub noch den Wunsch, dass ich mir, auch wenn er nicht mehr mit in die Stadt kommen konnte, doch bitte ein schönes Schmuckstück aussuchen sollte. Leider habe ich bei den Juwelieren vor Ort nichts gefunden. Den Hochzeitstag empfand ich nun als eine perfekte Gelegenheit, mich noch einmal nach einem Schmuckstück umzusehen.

Vormittags bin ich zunächst zu einem Goldschmied gefahren und habe mir Entwürfe machen lassen, wie ich unsere beiden Eheringe zu einem gemeinsamen Kettenanhänger umarbeiten lassen könnte. Ein schwieriges Unterfangen. Nein, so ganz spontan konnte ich mich nicht entscheiden, habe die Entwürfe erst einmal mitgenommen.

Bei einem anderen Juwelier habe ich dann anschließend einen sehr schönen Ring gefunden, den ich dann als Ersatz für den Ehering tragen wollte. Besonders der Ringkauf hat sich sehr gut angefühlt und hätte meinem Mann gefallen.

In Überlegung war auch, alleine essen zu gehen, aber das hat dann irgendwie zeitlich nicht gepasst. Stattdessen habe ich mir etwas besonders Leckeres gekauft, mir den Tisch schön gedeckt und habe, weil das an diesem Tag immer dazu gehörte, auch ein – na gut, ich will ja ehrlich sein – zwei Gläser Sekt getrunken.
Ich kann sagen, ja, der Tag war rund, war ein schöner Hochzeitstag. Es passte so und auch wenn Tränen geflossen sind, ist es ein guter Tag gewesen. Vor allem war es ein gemeinsamer Tag.
Das so empfinden zu können, war das größte Geschenk.

Dafür kam die Verzweiflung am nächsten Tag in ganz besonderer Heftigkeit.

Mein erster Geburtstag ohne ihn

Vier Monate nach seinem Tod.
Ich nehme vorweg, dass das von den ersten Tagen, der kraftraubenste war! Es war aber auch ein besonderer Geburtstag, da ich 60 geworden bin. Mein Mann, der eigentlich überhaupt keine großen Feiern mochte, hatte so viele Vorschläge für diesen Anlass gemacht. Sein Favorit war dabei eine Luxus-Kreuzfahrt, aber auch die Idee einen Wasserturms in Holland (Vlissingen) zu mieten, in den wir die Familie (incl. Eltern und Geschwister) für ein Wochenende eingeladen hätten, war auf seinen Mist gewachsen. Auch die Möglichkeit einer großen Party im Saal unserer Schrebergartenanlage stand im Raum. Das wäre allerdings für ihn schon ein echtes Opfer gewesen.

Zum Glück hatte ich nicht den Mut irgendetwas fest zu machen, obwohl es sein Plan war, den Tag unbedingt noch zu erleben.
„Deinen Geburtstag muss ich noch schaffen, danach bin ich bereit zu Sterben“.

Spätestens jetzt versteht ihr sicher, warum das der schlimmste Tag für mich war. Dieses Ziel hat Klaus ja leider nicht mehr erreicht.
Das alles hat den Tag und die Planung natürlich noch einmal schwerer gemacht. Ihm war es so wichtig, dass ich diesen Tag feiere, er wollte so sehr etwas Besonderes für mich …
Zum Glück habe ich dann auch den Gedanken verworfen, die Party im Garten trotzdem und vor allem für ihn zu machen, denn das hätte ich wirklich nicht durchgestanden. Corona hätte mich eh zum Absagen gezwungen.

Meine Familie hat mich in den Wochen vorher oft liebevoll genervt, was ich denn nun machen wolle. Doch ich wusste es nicht. Oder vielleicht wusste ich es im Innern schon; ich wollte einfach keinen Geburtstag, hätte den Tag am liebsten komplett ausgeblendet, verpasst, verpennt.

Irgendwann konnte ich es dann sagen: „Nein, ich will gar keinen Geburtstag feiern, will den Tag nur überstehen“. Gerne hätte ich ihn in der Abtei St. Hildegard in Rüdesheim verbracht, wo ein mehrtägiges Trauerseminar geplant war. Doch dieses konnte coronabedingt nicht stattfinden.
So bin ich dann stattdessen ein paar Tage zu meinen Mädels gefahren. Ich hatte sie aber gebeten keinen Geburtstag mit mir zu feiern.

In Bonn habe ich mich dann in meinen Geburtstag rein und auch wieder raus geweint. Auch jetzt beim Erinnern kommen mir noch einmal die Tränen.

Der Tag an sich war trotz allem schön, von meiner Familie sehr liebevoll und umsichtig gestaltet. Herzlichen Dank nochmal dafür. ❤️

Weihnachten

Weihnachten war gefühlt für meine Familie schwieriger als für mich. Mein Mann fand Weihnachten oft anstrengend, besonders, wenn Heiligabend bei uns gefeiert wurde. So war ihm das jetzt erspart geblieben und das hat es – auch wenn das vielleicht komisch klingt – tatsächlich für mich etwas leichter gemacht.
Wir haben das Fest gemeinsam gut gemeistert. Hilfreich war hierbei sicher, dass auch der Schwiegervater meiner Tochter mit seiner Lebensgefährtin dabei war und so für ein wenig Normalität gesorgt hat.

So hatten wir einen schönen Heiligabend, der bewusst ein wenig anders gestaltet wurde als sonst.
Emotional wurde es dann später am Abend, als ich mit meiner Überraschung kam, als ich jedem meiner Mädels ein aus einem Kleidungsstück von Klaus selbstgemachtes Stofftier überreicht habe.

Silvester

Schwieriger war dann wieder Silvester, sowohl in der Planung als auch der Tag an sich. Im Jahr zu vor hatten wir über die Jahreswende eine Flusskreuzfahrt in die Schweiz machen wollen. Bis drei Wochen vorher standen wir erfolglos auf der Warteliste. Kurzfristig wurde eine Kabine auf einem anderen Schiff nach Holland frei. Das Beitragsbild stammt von dieser wirklich schönen Fahrt.

Mein Mann hat dann darauf gedrängt, dass wir die Schweizfahrt für das nächste Silvester buchen. Da ihm das soviel Hoffnung gab, wollte ich nicht nein sagen, obwohl ich nicht daran glauben konnte, dass er dazu noch in der Lage sein würde.

Er hat mir dann zwar so halb das Versprechen abgerungen, dass ich sie notfalls auch alleine machen würde, aber nein, das konnte ich nicht. Ja, da er das so gewollt hatte, habe ich es mir nicht leicht gemacht und wirklich mit mir gekämpft ob ich absage oder fahre. Doch in dieser Coronasituation war das nicht wirklich eine Option. Wahrscheinlich keine Ausflüge und Essen möglichst auf den Kabinen einnehmen. So habe ich die Reise, die später eh abgesagt wurde, storniert.

Mein Plan war dann Silvester alleine zu verbringen, mich zu verkriechen und vielleicht einfach ins neue Jahr hinein zu schlafen. Das fühlte sich für meine Tochter aber überhaupt nicht gut an und so haben wir dann auch Silvester zusammen verbracht, ganz viel gespielt und leckere Feuerzangenbowle getrunken.

Der Moment um Mitternacht war hart, aber sonst war es gut so.

Sein Geburtstag

Zehn Monate nach seinem Tod.
Hier war mir vor allem der Gedanke wichtig: „es ist sein Geburtstag“ statt „es wäre sein Geburtstag gewesen“.
Hier hat das Schicksal (oder wie ich ganz fest glaube, Klaus von oben) die Planung übernommen und ganz wunderbar gefügt. Inzwischen hatte ich meinen Umzug zurück in den Rhein-Sieg-Kreis geplant und einen Mietvertrag für den 1.5.2021 unterschrieben. Da die Wohnung im April leer stand, versprach mir der Vermieter, dass ich die Schlüssel schon fünf Tage vorher bekommen würde.
Zuhause fragte meine Tochter dann vorsichtig, ob mir bewusst sei, welcher Tag das wäre.
Nein, war es nicht. Es war der 26. April, der Geburtstag meines Mannes und das fühlte sich sooo gut an.

Es war dann auch wirklich gut, genau an dem Tag die Wohnung zu übernehmen und damit genau an dem Tag in ein neues Leben zu starten.

Der Jahrestag

Theorie und Praxis. Mir war bewusst, dieser Tag sollte geplant werden und auch meine Tochter hatte dieses Bedürfnis. Aber wir wussten irgendwie beide nicht wirklich wie. Bei mir war da einfach ganz viel Angst vor dem Tag. Aber aus der Erfahrung, dass die Zeit vorher schlimmer ist, als der Tag an sich, war da nicht ganz so viel Panik wie z.B. vor meinem Geburtstag.
Klar war nur, wir verbringen ihn alle Vier gemeinsam. Die Schwierigkeit lag auch darin, dass es ein Donnerstag war. Ein Tag mit Alltagspflichten, ein Schultag, ein Unitag, ein Tag voller Termine. Irgendwie hat das Leben uns die Planung abgenommen, wir haben das Zeitfenster zwischen all unseren Verpflichtungen genutzt.

Wichtig war mir, zum Zeitpunkt des Todes am Mausoleum bei Klaus zu sein und das haben wir auch geschafft. Ein schwerer Moment für uns alle, aber das durfte er ja auch sein.

Danach gab es „Klaus Essen“ und dazu gehörten in Bonn zuletzt immer Pommes, für Klein-Stephanie ein Mama-ist-nicht-da-Essen. Es gab geteilte Erlebnisse und unser Spiel „Dalmuti“ und das war passend. Am späten Nachmittag hat meine Tochter mich heim gefahren und meine Familie musste in den Alltag zurück: Vorlesung halten, Koreanischkurs, Geigenunterricht.

Mein Abend war dann sicher sehr ungewöhnlich für so einen Tag, aber es war so absolut gut und genau richtig. Vor allem viel besser, als wenn ich ihn alleine Zuhause verbracht hätte.

Mein Wunsch war es schon immer, in einem Chor mitzusingen und durch einen Zeitungsaufruf bin ich auf einen Gospelchor ganz in meiner Nähe aufmerksam geworden. Just für diesen Abend war ich nun zu einer ersten Schnupper-Probe eingeladen und ich hatte nach kurzem Zögern auch wirklich zugesagt.
Zunächst fand ich die Idee makaber, doch dann fand ich es passend, weil die größte Sorge meines Mannes war, dass ich mich nach seinem Tod verkriechen würde. So hat er sicher von oben gelächelt und sich gefreut, dass ich genau an diesem Tag einem Chor beigetreten bin – obwohl er es überhaupt nicht mochte, wenn ich in seiner Gegenwart gesungen habe ;-).

Tatsächlich hatte ich Spass und das ohne schlechtes Gewissen, denn ja, das ist auch oder gerade an solchen Tagen erlaubt.

Für mich fühlte sich der Tag so genau richtig an und er war gut genau so wie er war. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit Lachen und Weinen, mit Rückblick und Blick nach Vorne, mit Trauer und Hoffnung.

Ausblick

Mir ist bewusst, dass alle noch kommenden besonderen Tage nun anders sein werden, anders, als zu Zeiten, als wir sie gemeinsam verbracht haben. Doch immer wird Klaus auch weiterhin irgendwie dabei sein.

Krankheit, Sterben und Trauern während Corona

Das Mausoleum von Carstanjen in Bonn Bad-Godesberg

Ich möchte jetzt nicht darauf eingehen, wie viele Menschen in dieser Zeit einsam und ohne Begleitung sterben mussten. Dafür fehlen mir die Worte. Dieser Gedanke macht mich unendlich traurig und auch wütend, löst ein Gefühlschaos ohne Ende in mir aus.
Mein tiefes Mitgefühl gilt allen, die hiervon in irgendeiner Form betroffen waren.

Ich möchte hier auf unsere persönliche Situation eingehen, die sicher auch bei einigen ähnlich war.

Unsere Situation

Als wäre die Diagnose „Krebs unheilbar“ nicht schon schlimm genug, kam dann auch noch Corona. Zum Glück gab es das nicht schon in der ersten Phase als mein Mann im Krankenhaus lag, aber in seinen letzten Lebensmonaten gab es den Logdown, die Kontaktsperre, das nicht verreisen dürfen.

So haben wir zwar unser letztes gemeinsames Weihnachten noch im engeren Familienkreis gefeiert, durften Silvester 19/20 noch eine Flusskreuzfahrt machen, aber das letzte Osterfest (Ostern hatte in unserer Familie immer einen besonderen Stellenwert) und auch seinen letzten Geburtstag haben wir nur zu Zweit verbracht.

Wie war das für meinen Mann?

Er hatte sehr große Angst sich mit Corona anzustecken und so dann vielleicht doch noch in ein Krankenhaus zu müssen, etwas, das er auf gar keinen Fall mehr wollte. So ist er sehr auf Abstand gegangen, hat bei Einkäufen eher im Auto gewartet und Kontakte so gut es ging vermieden.
Die Kontakteinschränkungen an sich waren für ihn tatsächlich nicht so schlimm, da er gerne seine Ruhe hatte und er war eher froh, so elegant seiner Geburtstagsfeier entkommen zu sein.

Worunter er aber am meisten gelitten hatte, war nicht essen gehen zu können und nicht mehr Verreisen zu dürfen. Er hätte die letzten Monate sicher komplett woanders verbracht, wenn es gegangen wäre. Dabei hatten wir das Glück in den 15 Monaten seit der Diagnose noch sehr viel miteinander erleben zu dürfen. Mehrfach waren wir für ein paar Tage oder auch mal eine Woche weg, die jeweiligen Zeitfenster zwischen den Chemos ausnutzend.

Im Februar 2020 waren wir noch einmal in Greetsiel gewesen, ein Ort, den mein Mann ganz besonders geliebt hat.
Danach ging dann Corona bedingt nichts mehr und Klaus hat den Tag herbei gesehnt, wo wenigstens das Übernachten in Ferienwohnungen wieder erlaubt sein würde. Wir haben dann auch die erste mögliche Nacht genutzt und hatten Mitte Mai noch ein paar schöne Tage an der Mosel, auch wenn er hier nur noch sehr kurze Strecken mit mir laufen konnte. Und dann unsere letzte Reise kurz vor seinem Tod nach Bad-Neuenahr, wo unsere drei Mädels uns sogar noch besucht haben.
Aber das alles war ihm nicht genug. Es gab noch so viele Reisen, die er gerne gemacht hätte, so vieles was er gerne noch einmal gesehen oder neu kennen gelernt hätte.
Besonders schlimm war für ihn, dass die für April 2020 geplante Hurtigruten-Schiffsreise abgesagt worden war. Das wäre für uns beide eine Traumreise gewesen, auf die wir uns sehr gefreut hatten.

Wie war das für unsere Familie?

Sicher schwierig. Dieses Abwägen des Risikos der Corona-Übertragung an einen extrem geschwächten Menschen auf der einen Seite, auf der anderen Seite aber auch die Möglichkeit, dass vielleicht nicht mehr viel gemeinsame Zeit bleibt. Wobei mein Mann in dieser Beziehung immer soviel Zuversicht verbreitet hat, dass die Angst vor der Corona Übertragung überwogen hat.
Ganz sicher kamen im Nachhinein Gedanken wie „Wenn man gewusst hätte, dass es sein letzter Geburtstag sein würde …“ Aber für ihn war es so gut und somit war es genau so richtig.
Es gibt zum Trost ein nettes Video von dem Tag als er mit den Mädels telefoniert und deren Geschenk, das per Post gekommen war, auspackt.

Und für mich?

Erst einmal extrem schwierig. Zunächst war da natürlich auch bei mir die große Angst, an Corona zu erkranken, die große Angst auszufallen, nicht mehr für meinen Mann da sein zu können und so war auch ich vorsichtig. Ich habe aber trotzdem vermeidbare Kontakte gehabt, brauchte das um zwischendurch auch mal Kraft zu sammeln. Hinzu kam ein schlechtes Gewissen, weil ich dadurch meine Eltern nur selten gesehen habe.

Am Schlimmsten hat mich das Abstandhalten getroffen. Ich bin ein Mensch, der von Umarmungen lebt. Ich umarme auch ganz spontan Menschen, die ich lange nicht gesehen habe, umarme Menschen, die einfach gerade nur traurig sind und ja, ich brauche Umarmungen, brauche Nähe. Das war das, was mir in dieser so schweren Zeit unendlich gefehlt hat, in der Zeit, wo mir Umarmungen sicher Kraft hätten geben können.

Auch der Hospizdienst, den ich zu meiner Begleitung um Hilfe gebeten hatte (mein Mann wollte keine Betreuung), konnte in dieser Coronasituation nicht so viel für mich tun, wie es zu normalen Zeiten möglich gewesen wäre. Immerhin gab es einen lieben telefonischen Kontakt, der mir auch gut getan hat.

Allerdings hat uns diese Coronazeit durch ihre Einschränkungen auch noch mehr Zeit zu Zweit geschenkt.

Ich muss sagen, wir haben noch ganz viel Glück gehabt, es hätte uns sehr viel schlimmer treffen können und es hat viele sehr viel schlimmer getroffen. Dessen bin ich mir absolut bewusst und dafür bin ich auch sehr dankbar.

Was das Reisen angeht, war ich Corona auch nicht soo böse. Ich persönlich habe mich sicherer gefühlt, wenn wir Zuhause waren, im vertrauten Umfeld, mit den vertrauten Ärzten in Bereitschaft. Mich hat jede Urlaubsplanung in der Situation schon gestresst und es gab auf den Reisen so einige Situationen, wo ich einfach nur Angst hatte. Doch ich hätte es auch nicht übers Herz gebracht, ihm diese letzten Urlaube zu verwehren.
Allerdings hätte mir der Mut gefehlt mit Klaus noch eine Luxuskreuzfahrt mit Fluganreise zu buchen, von der er geträumt und die er sooo gerne noch gemacht hätte. Da war ich dann Corona wirklich dankbar, dass das gerade nicht möglich war und Corona mir das „nein“ damit abgenommen hat.
Um die gebuchte Hurtigrutenreise auf einem Expeditionsschiff tut es mir allerdings schon sehr leid. Gerade kann ich mir auch nicht vorstellen, diese irgendwann für uns nachzuholen – auch wenn das ganz sicher im Sinne von Klaus wäre.

Beerdigung unter Coronabedingungen

Auch eine ganz besondere Situation und Herausforderung. Im Mausoleum in Bonn waren nur zwölf Personen (und das war schon ein Mißverständnis, eigentlich nur acht) erlaubt. Puuh.

Ursprünglich hatte ich eine Messe in Holten mit dem üblichen anschließenden Kaffeetrinken für alle geplant. Ich fand es aber sehr schwierig abzuschätzen, wer kommen würde und wie viele dann tatsächlich noch beim Kaffee dabei wären. Überhaupt hat mich der Gedanke an den Kaffee und diese vielen Menschen irgendwie überfordert. Auf der anderen Seite hätte ich es aber auch schön gefunden von vielen Anteilnahme zu spüren und viele tröstende Umarmungen erhalten zu können. Wobei die Umarmungen durch Corana ja eh so gut wie weg gefallen wären.

Die Situation war nun so: Beerdigungskaffee gar nicht erlaubt, die Messe wäre nur mit viel Abstand ohne Kontakt und ohne Musik (passender Weise war gerade die Orgel kaputt) möglich gewesen. Das fand ich einfach nur trostlos und so habe ich mich dann schweren Herzens dagegen entschieden, aber es hat einige doch getroffen, sich so nicht von Klaus verabschieden zu können.

Die eigentliche Bestattung sollte dann eh im kleineren Kreis in Bonn statt finden.
Bei den nun nur zwölf erlaubten Personen war es dann leider auch innerhalb der engeren Familie noch notwendig zu sagen: „Sorry, du kannst leider nicht dabei sein.“

Zu der Beerdigung wird es noch einen eigenen Beitrag geben, aber ich darf schonmal verraten, dass ich hier Corana fast dankbar bin, denn in diesem kleinen intimen Kreis, war das schon etwas Besonderes und ja, ich kann sagen, es war in aller Traurigkeit sehr schön.

Trauer in Zeiten von Corona

Auch hier gibt es für mich eine Mischung aus schlimm und gut. Ja, zunächst empfand ich diese zusätzliche Herausforderung sehr sehr schlimm. Natürlich war dadurch noch mehr Einsamkeit und weniger Unterstützung. Wegen Corona gab es keine Umarmungen, keine tröstenden Trauergruppen, Seminare und und und.

Aber ich versuche Situationen, die ich nicht ändern kann auch etwas Positives abzugewinnen. So fand ich es positiv, dass dadurch mehr Ruhe und tatsächlich mehr Raum zum Trauern war.
Zu normalen Zeiten hätte ich mich sicher früh – wahrscheinlich zu früh – in Aktivitäten gestürzt, um der Einsamkeit zu entgehen. Das war nun nicht möglich. So konnte ich der Trauer zwar nicht entfliehen, aber irgendwo war das für mich auch gut so, hat mich das in meiner Trauerarbeit vielleicht schneller weiter gebracht.