Herzlichen Glückwunsch zu 30 Jahren wertvolle Arbeit

offene Bücher kleiner Komet

Twitter ist ein dynamisches Netzwerk über das man leicht auf tolle Projekte, interessante Menschen und tolle Themen aufmerksam wird. So habe ich dort auch die Stiftung Lesen entdeckt. Als ich gestern das kleine Geburtstagsvideo entdeckte (s.u.) kam mir die Idee, euch die Stiftung ganz kurz vorzustellen.

Die Mission der Stiftung Lesen

Die Stiftung steht für die Überzeugung, dass das Lesen eine wichtige Grundfertigkeit für die gesellschaftliche Teilhabe ist:

Eine umfassende Lesekompetenz – dazu gehört auch und zunehmend stärker das Lesen digitaler Medien – ist eine wesentliche Voraussetzung, um sich persönlich und gesellschaftlich zu entwickeln, im Berufsleben erfolgreich zu sein, als informierter Mitbürger am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und seine Rechte wahrzunehmen. (Stiftung Lesen)

Doch Statistiken belegen regelmäßig, dass nicht jeder Mensch lesen kann. Noch immer gibt es zu viele (ca. 7,5, Millionen) funktionale Analphabeten und auch diejenigen, die Lesen „können“, haben nicht alle Freude daran.

Deshalb setzt sich die Stiftung Lesen dafür ein, dass jedes Kind und jeder Erwachsene in Deutschland über die notwendige Lese- und Medienkompetenz verfügt und Lesefreude entwickelt. Ziel ist es, für jedes Mitglied der Gesellschaft geeignete und zugängliche Programme zur Leseförderung zu entwickeln – unabhängig von seinen materiellen, kulturellen oder sozialen Voraussetzungen. (Stiftung Lesen)

30 Jahre Stiftung Lesen

Und das tut die Stiftung inzwischen seit 30 Jahren! Viel geleistet und kein Ende in Sicht. Zum Jubiläum gibt es ein kleines Video über „Die Geschichte des Lesens“:

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Quelle: Youtube-Kanal der Stiftung Lesen.

Zum 25-jährigen Jubiläum gab es einen kleinen Image-Film, der die Arbeit der Stiftung sehr gut darstellt:

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Quelle: Youtube-Kanal der Stiftung Lesen.

Projekte zur Leseförderung mit dem Geschenk der Lesefreude durch Büchergeschenke, Vorlesen und andere kreative Aktionen werden von der Stiftung Lesen initiiert. Unterstützt werden sie von zahlreichen Prominenten und Partnern aus der Wirtschaft. Viele engagierte Menschen ermöglichen es, die Projekte umzusetzen.

Forschung gehört ebenfalls zu einem wichtigen Anliegen der Stiftung Lesen.

Die Programme und auch die Möglichkeiten die Stiftung zu unterstützen sind so vielfältig, dass es mir schwer fällt einzelne Beispiele heraus zu greifen. Daher möchte ich euch ermuntern, einfach mal selbst auf der Seite der Stiftung Lesen zu stöbern. Ich finde es großartig, dass es die Stiftung und ihre Projekte gibt, daher gratuliere ich herzlich zum Jubiläum und freue mich darauf, mitzuverfolgen, wie es weiter geht.

Herzlichen Glückwunsch allen Stiftungsmitgliedern, Freunden und Förderern zu diesem Jubiläum. Macht weiter, lest viel und teil eure Lesefreude!

Digitalisierung – Machen wir das beste daraus

Digitale Intelligenz - Verena Gonsch

Digitale Intelligenz – Verena Gonsch

Wir können die Digitalisierung verfluchen, für Probleme verantwortlich machen, sie fürchten und hassen.

Wir können uns aber auch mit ihr auseinandersetzen, herausfinden, wie wir sie sinnvoll für uns nutzen und unsere Zukunft aktiv gestalten können.

Denn eines steht fest: Die Digitalisierung geht nicht mehr weg! So verrückte manche Innovationen auch sind, sie sind da. Manche werden in Vergessenheit geraten, andere sich durchsetzen. Welche das sein werden, entscheiden wir Menschen.

Unser Alltag, unser Arbeitsleben und ganz langsam auch die Schulen werden immer digitaler. Das hat zunächst einmal eine Menge Vor- und Nachteile und stellt manch einen vor Herausfoderderungen, verschafft aber auch Erleichterungen.

Medienkompetenz versus Mediensucht

Ja, es gibt das Problem der Computerspielsucht, das hat die WHO inzwischen offiziell anerkannt und die Diagnose ist in den ICD-11 aufgenommen. Das bedeutet aber NICHT, dass Computerspiele alle süchtig machen und sie genau so gefährlich sind wir manch eine stoffliche Droge! Weitere Mediensüchte werden von Wissenschaftlern, Praktikern und in der Gesellschaft heftig diskutiert. Jeder, der aktiv Soziale Netzwerke nutzt, hat darüber wahrscheinlich schon mal die Zeit vergessen und kann sich vielleicht vorstellen, dass manch einer „süchtig“ nach News und Likes werden kann. Eine tatsächliche Sucht bedeutet, sein Leben auf das Computerspielen oder ein Verhaltensbereich auszurichten und die anderen Lebensbereiche zu vernachlässigen. Wer so weit ist, braucht meistens professionelle Hilfe dabei, das eigene Leben neu zu gestalten.

Der Mediensucht gegenüber steht der Ruf nach Medienkompetenz, dem sinnvollen und reflektiertem Umgang mit digitalen Medien. Wie in allem Dingen des Lebens ist es auch mit dem Computerspielen, den Sozialen Netzwerken und anderen digitalen Angeboten: Sie können uns gut tun oder einfach Spaß machen. Werden sie exzessiv genutzt,  entwickeln wir ein problematisches Verhalten und es geht uns nicht mehr gut damit.

Generelle Verbote sind ein schwieriger Weg, denn alles was verboten ist, ist auch verlockend, egal ob es Süßigkeiten oder Spiele sind. Daher empfehle ich allen Eltern, gemeinsam mit ihren Kindern einen guten Weg zu finden, der Genuss und Spaß ermöglicht, ohne den Dingen einen zu großen Wert beizumessen. Je älter die Kinder dabei werden, desto selbstbestimmter dürfen sie mit digitalen Medien umgehen. Ein elterliches Interesse an dem, was die Kinder da tun, bleibt empfehlenswert.

Verena Gonsch

ist Systemischer Coach, Moderatorin, Journalistin und Autorin des lesenswerten Buches „Digitale Intelligenz“. Ein Buch, das mal einen wohlwollenden Blick auf die heutigen Kinder und Jugendlichen, inklusive ihrem digitalen Konsum wirft. Mehr über Verena Gonsch und ihre Tätigkeiten auf ihrer eigenen Webseite.

Ich hatte die wunderbare Gelegenheit, dieses Buch im Rahmen eines Recherschestipendiums am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln zu schreiben und meine Thesen gehörig von wissenschaftlichem Sachverstand und kritischen Nachfragen durchpusten zu lassen. (Nachwort Digitale Intelligenz)

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Youtube Kanal des Bastei Lübbe Verlages.

Digitale Intelligenz

Gespräche zwischen Eltern über ihre Kinder, deren Computerspiele und Smartphones sind schwierig, häufig sehr kontrovers. Gelassenheit trifft auf Besorgnis, gemischt mit Unwissenheit, was die eigenen Kinder da eigentlich treiben. „Mein Kind soll nicht“ oder „Mein Kind ist vernünftig“, sind nicht seltene Sätze.

Die Deutschen stehen der digitalen Welt tatsächlich besonders kritisch gegenüber.

Der „German Angst“ und ihren Hintergründen widmet sich Verena Gonsch ausführlich und anschaulich. Eine Übertragung einer grundlegenden Ängstlichkeit aus den Kriegszeiten von Eltern auf ihre Kinder, hätte ich niemals in einen Zusammenhang mit der skeptischen Haltung gegenüber der Digitalisierung gesetzt. Daher war der Gedankengang für mich sehr spannend zu lesen.

Bei aller Angst wäre es gut, wenn wir uns und unseren Kindern nicht selbst im Weg stehen würden. Ich habe schon viele interessante Gespräche mit neugierigen Eltern geführt, die dankbar waren, dass ich ihnen Fragen beantworten konnte.

Die Diagnose, dass deutsche Eltern sich oft gar nicht für das interessieren, was ihre Kinder im Netz treiben, deckt sich mit den Ergebnissen repräsentativer Studien.

Dabei zeigt sich ein interessantes Phänomen, dass nicht für alle Eltern gilt:

Je kritischer die Eltern auf die Computerspiele und die Internetnutzung ihrer Kinder achten, desto weniger fühlen sie selbst sich in der digitalen Welt sicher.

Die Lebens- und Lernwelt der Kinder verändert sich und das hat viele Vorteile. Es wird in der Schule weniger auswendig gelernt, dafür mehr in Gruppen und an Projekten gearbeitet. Das bereitet die Kinder besser auf die Zukunft vor.

Sie beherrschen Teamwork und Gruppenarbeit und üben schon in der Schule die Work-Life-Balance.

Erziehung im Elternhaus passiert zwar auf „Augenhöhe“ und auch die Pädagogik in der Schule ist eher auf „Verständigung“ ausgelegt, was die sozialen Kompetenzen der Heranwachsenden stärkt. Es gibt nur einen Haken:

dass Schule und Elternhaus ihnen viele digitale Kompetenzen nicht vermittelt haben. Die müssen sie jetzt nachträglich erwerben, um im Studium und in der Berufswelt erfolgreich zu sein.

Das Buch bietet anschauliche Geschichten und Impulse, die Mut zur Gelassenheit im Umgang mit der Digitalisierung machen. Ich glaube, das es besonders wichtig ist, Ängste und Sorgen offen auszusprechen, anstatt an ihnen festzuhalten. Möglichkeiten und Chancen dürfen dabei nicht aus dem Blick verloren werden. Viele Sorgen sind berechtigt. Wer sich allerdings vor lauter Angst zu Hause abschottet, verpasst das Leben. Daher gilt es einen mutigen, aber nicht wagemutigen Weg zu finden, die Möglichkeiten der digitalen und analogen Welt anzunehmen.

Empfehlung

Für ein Sachbuch habe ich dieses Buch erstaunlich schnell gelesen. Es ist interessant und ansprechend geschrieben und befasst sich mit einem Thema, dass mich persönlich beschäftigt.

Das Buch sei Eltern, Lehrern und Skeptikern gleichermaßen empfohlen. Es bietet guten Stoff für Diskussionen und Denkanstöße, die eigene Haltung gegenüber der Digitalisierung ein wenig zu entspannen. Trau dich, mal mehr auszuprobieren und die digitale Welt zu entdecken. Kinder und Jugendliche sind dir dabei sicher gerne behilflich. Die meisten von ihnen kennen sich aus.

Allerdings ist die Erwartungshaltung des Auskennen nicht immer fair, denn die digitale Welt ist komplex, wenn auch intuitiver für diejenigen, die dort aufwachsen, sofern sie denn dürfen, so doch nicht überall transparent und ohne Fallen (Kosten, Viren, persönliche Daten, etc.). Der Austausch mit den neugierigen und zugleich besorgten Eltern, kann die Blickwinkel der digitalen Kids erweitern.


Das Buch wurde mir vom Verlag über NetGalley zur Verfügung gestellt.

Digitale Intellingez (Link zur Verlagsseite mit Leseprobe)
Verena Gonsch, mit Texten von Till Raether
Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-60979-6
Erscheinungsdatum: 24.11.2017

Sonntagsgeschichte Kapitel 46 – Schneewittchen

Das erste Kapitel findest du hier, du kannst auch von Kapitel zu Kapitel blättern.

letztes Kapitel

Sonntagsgeschichte Blogroman Schneewittchen

„Es war einmal eine junge Frau, deren Haut sehr blass war, dagegen ihr Haar so schwarz wie Ebenholz und ihre Lippen so rot wie Blut. Alle nannten sie Schneewittchen und ihr wirklicher Name geriet in Vergessenheit. Sie war die einzige Tochter des letzten Menschenkönigs der Anderswelt. Die meisten Menschen fühlten sich nicht mehr wohl, glaubten dort nicht hinzugehören, weil sie anders waren. Es fehlte ihnen an magischen Fähigkeiten. So verließ nahezu eine ganze Generation die Anderswelt. Auch die Schwester des Königs war in die Welt der Menschen zurückgekehrt, sobald Schneewittchen das Jugendalter erreicht hatte. Die Königin war bei der Geburt des Mädchens gestorben. Vater und Tochter waren allein, es gab keine Familie mehr. Die Sorge des Königs galt der Frage, mit wem er seine Tochter vermählen sollte. Wie könnte er die Position der Menschen in der Anderswelt stärken, wenn kaum noch welche dort weilten.

Als Schneewittchen mitbekam, dass ihr Vater mit den Verhandlungen über ihre Zukunft begann, floh sie in den Wald. Leider hatte sie das nicht geplant und lief ohne Proviant oder warme Kleidung davon. So erreichte sie kurz vor Einbruch der Dämmerung eine kleine Hütte, wo sie Nahrung und ein Bett zum schlafen fand.

Über sieben kleine Bettchen quer liegend wurde sie von den Zwergen gefunden. Sie weckten das Mädchen, lauschten ihrer Geschichte und nahmen sie bei sich auf. Sie führte den Zwergen den Haushalt, während diese in den Bergen nach Erz und Gold suchten. Es war ein einfaches, aber glückliches Leben. Die Zwerge erzählten ihr lustige Geschichten und es fehlte ihr an nichts. Hin und wieder vermisste sie ihren Vater, traute sich aber nicht zurück.

Eines Tages ging Schneewittchen im Wald spazieren. Dort begegnete sie einer wunderschönen Frau. Ihre Haut war ebenso hell, wie die Schneewittchens. Die beiden kamen ins Gespräch, badeten zusammen im Bach und Schneewittchen ließ sich von der neuen Freundin das Haar kämen. Viel zu lange hatte sie keine Freundin mehr gehabt, sodass sie abends glücklich heim kehrte. Dort warteten sieben hungrige Zwerge auf sie. Rasch bereitete sie ein Abendbrot. Am nächsten Morgen erwachte sie mit fürchterlichen Knoten im Haar. Sie fluchte, kämmte und auf dem Boden um sie herum verteilten sich Strähnen schwarzen Haares. Da klopfte es an der Tür. Draußen stand die hübsche Freundin mit einem Korb Äpfeln. „Es ist schön dich wieder zu sehen, Schneewittchen. Ich habe frische Äpfel, wollen wir deinen Zwergen einen Kuchen backen?“ So buken die beiden einen Kuchen, der so gut duftete, dass sie nicht auf die Zwerge warten wollten. Schneewittchen nahm den ersten Bissen, kaute genüsslich und fiel bewusstlos hin. Die Frau lächelte zufrieden, nahm den Kuchen an sich und verließ die Hütte. Unterwegs traf sie die heimkehrenden Zwerge, die sie freundlich grüßten, nichts ahnend, wem sie da begegnet waren.

Die Trauer um Schneewittchen war groß, denn keiner der Zwerge vermochte sie zu wecken. Einer eilte fort, ihren Vater zu benachrichtigen, ein anderer, den Zwergenkönig um Rat zu fragen. Beide kamen schnell, fanden das schöne Mädchen leblos in der Hütte der Zwerge liegen. Sie wussten keinen Rat und der Menschenkönig weinte viele Tränen. Währenddessen ließ sich der Zwergenkönig die ganze Geschichte erzählen. „Wer war wohl diese fremde Frau? So wie ihr sie beschreibt, mag sie wohl eine Elfe gewesen sein“, grübelte er. Die Zwerge stimmten ihm zu und so fragte er seinen Menschenfreund: „Kann es einen Grund geben, warum die Elfen, den Tod deiner Tochter wünschen?“ Allein diese Frage löste erneutes verzweifeltes Schluchzen aus. Nach einer Weile begann der König zu sprechen:

„Ihre Mutter war eine Elfe. Ihre Familie hat es ihr nie verziehen, dass sie mich geheiratet hat. Damit wenigstens die Menschen ihr weiterhin Vertrauen entgegenbringen, haben wir ihre Herkunft verheimlicht. Unser Schneewittchen ist eine Halbelfe, die erste so weit ich weiß. Zumindest war ihre Mutter die erste Elfe, die sich mit einem Menschen eingelassen hatte, einem minderen Wesen, das zu keiner Magie fähig ist. Ich habe Schneewittchen beobachtet, in ihrer Kindheit gab es keine Anzeichen, dass sie eine magische Begabung hat. Ich weiß es nicht.“ Erneut gab er sich einem Weinkrampf hin.

„Die Elfen machen Schneewittchen für den Tod ihrer Mutter verantwortlich und dich dafür, dass du sie entführt hast. Elfen sind ein schwieriges Völkchen. Doch wenn Elfenblut durch die Adern deiner Tochter fließt, ist sie nicht verloren. Es mögen Jahrhunderte vergehen, bis sie erwacht, doch wenn du meinem Sohn erlaubst, ihren Körper zu versteinern, bis es so weit ist, wird sie eines Tages erneut erwachen. Der Tag wird kommen, wenn ihr Seelengefährte sie findet. Bringe sie in Sicherheit, am besten außerhalb der Anderswelt, vertraue die Wahrheit nur wenigen an und habe Geduld. Auch wenn du den Tag vielleicht nicht mehr erleben wirst, deine Tochter wird eines Tages eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, die Menschen und die Bewohner der Anderswelt wieder zu vereinen. Vertrau mir mein Freund.“

Die Könige umarmten einander freundschaftlich. Der Zwergenprinz tat sein Werk und die Sieben nahmen Abschnied von ihrer Freundin.

Die letzte Tat des Königs war, das steinerne Schneewittchen aus der Anderswelt hinauszuschaffen. Er brachte sie zu seiner Schwester, dass sie über das Mädchen wachen möge. Dann starb er vor Kummer, ohne Nachfolger und die Zeit der Menschen in der Anderswelt endete. An dem Tag an dem Schneewittchen erwacht, könnte sich dies wieder ändern.“

***
nächstes Kapitel

Ein Barcamp für Frauen – nur Frauen?

Johanna Nolte eröffnet das Barcamp "Frauen machen Zukunft" im Post Tower Bonn

Johanna Nolte eröffnet das Barcamp „Frauen machen Zukunft“ im Post Tower Bonn

Am 9. September 2018 fand in Bonn das erste Frauenbarcamp unter dem Motto „Frauen machen Zukunft“ statt. Angeboten und organisiert wurde es von der Bonner Trio Medien Agentur, einem derzeit reinen Frauenunternehmen mit aktuell einem männlichen Praktikanten.

Das BarCamp „Frauen machen Zukunft“ ist das erste BarCamp in Bonn zu diesem Thema. Es bringt Frauen zusammen, die sich sonst nicht begegnen, weil die Arbeitsbereiche, Rahmenbedingungen und Vorstellungen der Arbeit von morgen zu unterschiedlich sind.

Auch wenn das Motto „Frauen machen Zukunft“ lautet: Das BarCamp ist selbstverständlich offen für alle! (Ankündigung auf der Veranstaltungsseite)

Die Interpretation der Zielsetzung war unterschiedlich:

  • Zielgruppe sind Frauen
  • Männer sind Willkommen – Aber auch Zielgruppe?
  • Es geht um Frauenthemen
  • Es geht um berufliche Karriere von Frauen
  • Es ist eine feministische Veranstaltung

Ihr habt sicher selbst einige Assoziationen zu dem Titel und der Ankündigung. Wie ich gerne sage „Barcamp ist, was du daraus machst„, hängt die Veranstaltung davon ab, wer sich angesprochen fühlt und tatsächlich kommt.

Ich war tatsächlich skeptisch, ob ich eine reine Frauen-Veranstaltung besuchen möchte. Da ich Barcamps liebe und Johanna Nolte (Twitter) sehr schätze, die es mit mit ihren Kolleginnen von TrioMedien organisiert hat, habe ich mir ein Ticket besorgt. Ich hatte mir auch Gedanken gemacht eine Session anzubieten. Dazu kam es nicht, was auch nicht nötig war, denn es gab tatsächlich zwei Sessions mehr als vorgesehene Slots. Es wurde passend gemacht.

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Wie ich das Barcamp erlebt habe

Für mich sehr schön war, einige Frauen wieder zu treffen, die bereits fester Bestandteil meines persönlichen Netzwerks sind. Frauen, die ich immer wieder sehr gerne treffe. Ich habe auch einige neue Frauen kennen gelernt, bin auch einigen begegnet, die ich nicht näher kennen lernen wollte. So ist das, wenn unterschiedliche Menschen aufeinander treffen, alles typisch BarCamp.

Doch es war auch anders. Einige sagten und schrieben, wir wären „unter uns“ gewesen, es hätte eine „geschützte Atmosphäre“ gegeben. Das kann ich nicht teilen. „Unter uns“ würde für mich implizieren, dass ich mit einer homogenen Gruppe zusammen gewesen wäre. Das war so nicht. Die Gruppe bestand zu 99% aus Frauen, da endeten aber die Gemeinsamkeiten. Die beruflichen Hintergründe, Zielsetzungen, Erwartungen und äußeres Erscheinungen (stark gestylt, bis ungeschminkt und lässig), war sehr vielfältig, ebenso die angebotenen Themen. Und das ist gut so, denn genau das bedeutet BarCamp, die Möglichkeit vielfältiger Begegnungen.

Zum ersten Mal bei einem BarCamp habe ich sehr früh, viele negative Äußerungen mitbekommen. Es kann zum Teil auch an der zu langen Sponsorenrede gelegen haben, vielleicht auch daran, dass nach der Eröffnungsveranstaltung bis zur ersten Session noch einmal reichlich Zeit war für ein Getränk und Netzwerken blieb. Die Rede war mir ebenfalls zu lang, konnte dem Redner persönlich auch nicht gut zuhören, was nicht daran lag, dass er ein Mann war, sondern eine für mich nicht ansprechende Art zu reden hatte. Zeit für Gespräche sind für mich mit das wertvollste auf so einer Veranstaltung, geht offenbar nicht allen so.

Viele Menschen in einem Raum, die gleichzeitig reden, ist für mich manchmal eine stressige Situation. Insbesondere wenn ich müde bin und das war ich an diesem Tag, nach einer ereignisreichen Woche, fällt es mir schwer, die anderen auszublenden und mich auf mein Gespräch zu konzentrieren. Das ist sicher nicht ungewöhnlich, wenn auf einmal nur noch ein Rauschen, ein uneindeutiges Stimmengewirr wahrzunehmen ist. Sind nur Frauen anwesend, ist diese Frequenz eine andere, als bei geschlechtergemischten Gruppen, höher und damit für mich unangenehmer. Ein mir nicht unvertrautes Phänomen.

Und Männer?

Oliver war da! Ich kenne Oliver, er gehört ebenfalls zu den Menschen, die ich regelmäßig auf Barcamps treffe. Ich habe mich gefreut ihn zu treffen. Das ging allerdings nicht allen so. „Was macht denn der Mann hier?“ „Warum bietet der Mann zwei Sessions an?“ „Muss mir das jetzt wieder ein Mann erklären?“. Zu solchen Aussagen kann ich nur den Kopf schütteln. Es ist traurig, dass sich Frauen von der Anwesenheit eines Mannes bedroht fühlen, einfach weil er ein Mann ist. Ja, ich weiß, dass viele schlechte Erfahrungen gemacht haben. Diese aber auf ein komplettes Geschlecht zu generalisieren, ist nicht hilfreich und kann auch niemals zu einer wirklichen Gleichberechtigung führen. Dieser Mann war offen genug, die Einladung, Männer seien willkommen anzunehmen und seine Expertise zu zwei Themen zu teilen. Ein Angebot, kann man annehmen oder es lassen.

Es gab auch noch einen zweiten Mann, Phi, der ein Shirt mit der Aufschrift „Female Future Force“ trug. Über ihn habe ich nicht eine negative Äußerung mitbekommen. War er den Frauen willkommener? Ich weiß es nicht, habe ihn auch nicht persönlich gesprochen, viele Frauen auch nicht. Ich kann euch nur berichten, was ich beobachtet habe.

Weitere anwesende Männer:

  • der Praktikant von Trio Medien, den ich tatsächlich nur beim Einlass und bei der Eröffnung gesehen habe.
  • ein Techniker, der auch stumm bei uns am Tisch sein Mittagessen gegessen hat.

Es ist nicht auszuschließen, dass weitere Männer da waren, die ich nicht wahrgenommen habe.

Interessant waren die Reaktionen auf Vera, die sich in der Vorstellungsrunde als

Frau mit männlichem Migrationshintergrund

vorgestellt hat. Vera ist mir bereits früher auf dem Litcamp Bonn begegnet. Ich habe sie als Autorin kennen gelernt, wir habe uns damals unterhalten und das Geschlecht spielte in diesem Gespräch keine Rolle. Gelesen habe ich bisher noch nichts von ihr, da ihre Bücher mich nicht direkt ansprechen. Um es mal ganz platt zu sagen: Sie sind mir zu feminin! Je öfter ich Vera allerdings treffe, desto neugieriger bin ich auf ihre Bücher, einfach weil sie ein so sympathischer und humorvoller Mensch ist. Gerne würde ich eine ihrer Kabarett-Lesungen besuchen. Nun die Reaktionen auf Vera waren sehr gemischt. Manch eine sah in ihr den „männlichen Migrationshintergrund“, viele waren neugierig auf ihre Geschichte, dazu später mehr. Eine Äußerung war: „Und jetzt bekommt der ehemalige Mann die Aufmerksamkeit.“

Und das nächste Frauenbarcamp?

In der Abschlussrunde zeigte sich erneut die unterschiedliche Erwartungshaltung: Mehr Männer oder gar keine Männer.

Es gab Kritik an der Äußerung „Das Barcamp sei selbstverständlich für alle offen“, während der Titel eben nicht so einladend war. Die richtige Wortwahl um beide Geschlechter anzusprechen und das Thema „Beruf und Karriere von Frauen“ anzusprechen, ist verdammt schwierig. Viele, so ich auch, hätten sich die Anwesenheit weiterer Männer gewünscht. Ich bin grundsätzlich dafür miteinander, anstatt übereinander zu reden. Ja, auch ich habe mich kurz beim Lästern erwischt, nicht bösartig. Ja, es hat Spaß gemacht. Offenbar hat diese reine Frauenveranstaltung bei mir alte Verhaltensweisen (Mädchenschule) hervorgerufen … Auch das Bedürfnis nach bekannten Gesichtern Ausschau zu halten, war da. Ist das dieses Cliquendenken von damals? Ich war nie wirklich Teil einer Clique, weder in der Schule noch an der Uni (ebenfalls extrem hoher Frauenanteil), immer Randfigur, die akzeptiert wurde, wenn ich dazu kam, ohne wirklich dazuzugehören. Das war auf dem Barcamp anders, ich war Teil der kleinen Gruppe und das hat sich gut angefühlt.

Die Sessions

Ich glaube so eine lange Einleitung habe ich noch zu keinem Barcamp geschrieben. Die Themen waren vielfältig, viele, aber nicht alle Themen drehten sich um die Rolle der Frau. Eine Frau kritisierte in der Abschlussrunde, sie hätte sich mehr Sessions zum Thema Karriere gewünscht. Ist es nicht auf jedem Barcamp so, dass jemand sich andere Themen gewünscht hätte? Biete sie an, erzähl was oder stelle Fragen. Barcamp ist das, was wir daraus machen.

Ich hatte tatsächlich zum ersten Mal Glück: Ich habe es geschafft mir zu notieren, welche Sessions mich auf jeden Fall interessieren und ich habe sie alle besucht, sie lagen perfekt hintereinander:

  1. „Sidewalk Talk – ein Listening-Projekt für Bonn“, mit Ute und Mélina, bei dem ich selbst auch dabei sein werde
  2. „Mit dem Blog zur Marke“ von Daniela, Blogger ABC
  3. „Frau sein ist auch keine Lösung“ mit Vera und Edda
  4. „Sichtbarkeit im Recruiting“ mit Viktoria

„Sidewalk Talk – ein Listening-Projekt für Bonn“

Mélina und Ute stellen die Idee des "Sidewalk Talk" vor

Mélina und Ute stellen die Idee des „Sidewalk Talk“ vor

Mélina Garibyan (Twitter, Story Atelier) hatte entdeckt, dass etwas namens „Sidewalk Talk“ gibt und auf Facebook gefragt, ob wir das nicht für Bonn oder Köln realisieren wollen. Ute Lange (Twitter, i3Kommunikation) hat sofort gesagt „Das machen wir in Bonn“. Ich war auch direkt interessiert und habe bereits im Vorfeld mit Mélina und Ute darüber gesprochen. Die beiden haben eine tolle Session vorbereitet, denn ein solches Projekt gestaltet man nicht zu dritt für eine Stadt.

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Miteinander sprechen, einander zuhören, ist ein wichtiger Teil unserer Kultur, einer, der in unseren hektischen Zeiten verloren geht. Wir nehmen uns weniger Zeit füreinander. Wenig Zeit bewusst und aktiv zuzuhören. Viele Gespräche über persönliche Themen gehen sehr schnell in die Richtung „Kenne ich auch“ und der Zuhörer übernimmt. Oft geht es sogar in eine völlig andere Richtung. Meist reicht es aber aus, einfach mal zuzuhören, dem anderen ein wenig mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken.

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Ziel des Projektes ist es, mit einer Gruppe zuvor geschulter Menschen auf die Straße zu gehen und einfach mal zuzuhören. Mit Menschen in Kontakt gehen und ihnen ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. Dies ist aber weitaus mehr als ein Geschenk, denn auch derjenige, der zuhört, wird beschenkt. Mélina hat in ihrer Arbeit beim Story Atelier Köln viele tolle Erfahrungen gemacht, wie wichtig es ist zuzuhören, aber auch wie schön das sein kann. Die Planung steht noch am Anfang und wer mit dabei sein möchte, kann sich gerne bei uns melden.

Daher haben wir eine schöne Übung gemacht, zu der es auch keine große Einführung gab. Höre drei Minuten lang einer Person zu. Anschließend wird gewechselt. Vor der Geschichte haben wir alle kurz die Augen geschlossen, sind zur Ruhe gekommen und haben uns dann auf das Erlebnis eingelassen.

Anschließend haben wir unsere Erfahrungen ausgetauscht, die für fast alle sehr positiv waren. Schwierig für mich war tatsächlich mit etwas einfallen zu lassen, über das ich jetzt spreche. Daher habe ich als zweite erzählt und mich von der Geschichte meiner Gesprächspartnerin inspirieren lassen. Dabei entstand aber auch kurz das Gefühl, mit dieser Geschichte nicht mithalten zu können. Eine Teilnehmerin berichtete, es sei für sie komisch, nur zu reden, ohne, dass die andere etwas gesagt hat. Es war ungewohnt.

Probiert es einfach mal aus, bewusst zuhören, ohne direkt zu kommentieren. Sich dabei gegenüber sitzen und über Körpersprache vermitteln, dass man noch aktiv dabei ist. Ein Familienmitglied, Freund, Kollege, irgendwer. Jeder hat drei Minuten.

Zum Abschluss der Session haben wir ein paar persönliche Erfahrungen und ein paar Regeln für aktives Zuhören zusammengetragen:

Mélina fasst Ergebnisse zum Sidewalk Talk und aktivem Zuhören zusammen

Mélina fasst Ergebnisse zum Sidewalk Talk und aktivem Zuhören zusammen

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Eine Teilnehmerin berichtete von einem ähnlichen Projekt, an dem sie beteiligt war „Free Hug“. Die Reaktionen auf ein solches Angebot sind sehr unterschiedlich. Und doch ist es erstaunlich, wie gut sich Nähe zwischen Fremden anfühlen kann.

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„Mit dem Blog zur Marke“ mit Daniela

Themen rund ums Bloggen und Social Media gehören für mich zu einem Barcamp. Für mich Themen über die ich mich sehr gerne austausche und bei denen man auch nie auslernt, vor allem nicht, da sich die digitale Welt rasant weiter entwickelt. Es war eine inspirierende Session mit Daniela Sprung (Twitter, bloggerabc). Daniela hatte eine gute Balance ihre Ideen zu präsentieren und Anwesenden einzubeziehen. Die Session war gut besucht, dabei nur wenige Teilnehmerinnen, die bereits einen Blog haben. Daniela hat uns gerne aktiv einbezogen und den Austausch untereinander gefördert.

Es geht um euch, ihr müsst euch vernetzen. Wenn euch keiner mag, liest euch keiner.

Daniela hat ihre persönliche Geschichte erzählt und ihre Erfahrungen gerne geteilt. Das Prinzip fürs Bloggen und auch Vorträge ist simpel: Sprich über deine Themen, damit die Menschen wissen, was du kannst. Nicht alle können deinen Rat ohne dich umsetzen.

Ein paar Tipps aus der Session für das Bloggen als übersichtliche Aufzählung, dabei mischen sich Danielas Worte mit meinen Gedanken und den Aussagen anderer Teilnehmerinnen.

  • Du brauchst ein Thema für das du brennst!
  • Ein gutes Blog braucht ein Jahr bis es läuft und gelesen wird.
  • Kontinuität ist wichtig beim Bloggen.
  • Habe alle wichtigen Informationen im oberen Drittel deiner Seite, damit sie auf Anhieb auffindbar sind.
  • Ein Blog braucht eine klare Menüführung.
  • Lass dich nicht abhalten, wenn noch jemand dein Thema bespielt. Die Leute mögen deinen Stil.
  • Wir Menschen sind lernfähig, starte, lerne, entwickle dich und dein Blog weiter.
  • Ein Blog ist niemals Werbung. bewege dich auf den Social Media Kanälen und lies was deine Leser wissen wollen.
  • Guter Content = Leser müssen aus deinem Blog etwas mitnehmen, etwas neues erfahren, etwas lernen, inspiriert sein. Das am besten ohne den kompletten Text lesen zu müssen.
  • Verlinke ruhig auch deine Konkurrenz, wenn sie gute Beiträge zum Thema haben. Link kann auf No-Follow gestellt werden, um deren Ranking nicht zu verbessern.
  • Fragen werden in Suchmaschinen eingegeben – Also beantworte Fragen und lass dich zu deinem Thema finden.

Mein persönlicher Rat für alle, die mit dem Bloggen anfangen wollen: Lies verschiedene Blogs. Schau dir an, was dir gut gefällt und was weniger. Kopiere keine anderen Blogs, lasse dich lediglich von anderen inspirieren! So bin ich damals vorgegangen.

„Frau sein ist auch keine Lösung“ mit Vera und Edda

Ist es mutig, sich offen vor fremde Menschen zu stellen und anzubieten, persönliche Fragen zu beantworten? Ja, verdammt! Vera war überrascht, dass ich und auch andere, ihr genau dieses Feedback, sie sei mutig, nach der Sessionvorstellung gegeben haben. Ein Grund, warum ich denke, sie sei mutig, sich öffentlich Fragen zu ihrer persönlichen Geschichte zu stellen, ist genau der, dass ich das nicht tue.

Der Plan war, dass Edda (Twitter, Blog Töfte Texte) ein Interview mit Vera (Twitter, Veras Welt) führt, sie mit provokanten Fragen bombardiert und wir zuhören. Doch ganz typisch BarCamp beteiligten sich die Teilnehmerinnen und es wurde eine offene Gesprächsrunde.

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Eddas erste Frage lautete:

Bist du eine Frau?

Vera antwortete klar mit „Ja“. Doch warum ist sie eine Frau und was macht uns alle zu Frauen? Was macht Weiblichkeit aus? Ich finde, das ist keine leichte Frage. Bin nicht einmal sicher, ob es eine wirklich wichtige Frage für mich persönlich ist.

Vera sprach über ihre Kindheit und den langen Weg, den sie gehen musste, um zu sich selbst zu finden. In der Pubertät zeigte sich ein leichter Brustansatz, aber der Arzt blieb dabei, sie sei ein Junge. Tatsächlich hat sie es probiert, das Leben als Mann. Dann hat sie sich ein Wochenende als Frau gegönnt. Es war ein gutes Wochenende und der Glaube, danach hätte sie gehabt, was sie wollte, war ein Irrglaube. Es hatte sich richtig angefühlt. Sie war eine Frau, kein Kerl. Die Operation hatte sie erst mit Mitte dreißig.

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Der Prozess selbst wird professionell begleitet, schwieriger wird es danach. Vera hatte es relativ leicht, sie erlebte wenig Hass. Das erleben andere leider ganz anders.

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Vera hatte eine Vorstellung vom Frau sein und musste akzeptieren, dass sie dieses Idealbild niemals erreichen würde. Ein Problem, dem wir uns alle gegenüber sehen. Für manche von uns ein ernstes Problem. Vera hat ihren Weg gefunden. Doch für viele andere, bleibt sie immer anders. Aufgrund ihrer Stimme wird sie beispielsweise am Telefon regelmäßig für einen Mann gehalten. Menschen stecken andere sehr schnell in bestimmte Schubladen und in diesen bleibst du dann stecken. Ein grundlegendes Problem für alle, die ein wenig anders sind und in ihre Schublade nicht passen wollen.

Es war eine inspirierende Session von einer inspirierenden Frau – Danke Vera und allen, die dabei waren für den interessanten Austausch!

„Sichtbarkeit im Recruiting“ mit Viktoria

Gefühlt befinde ich mich dauerhaft im Bewerbungsprozess, da sind Tipps für mich immer wertvoll. Bei meinem Mann habe ich mitbekommen, wie entspannt und effektiv so ein Vermittlungsprozess über eine Agentur sein kann. Persönliche Gespräche, ohne Bewerbungen schreiben zu müssen. Das habe ich mir für mich auch gewünscht. Leider haben meine Recherchen zu den unterschiedlichen Suchbegriffen ergeben, dass Psychologen in diesem Bereich arbeiten können, aber keine Agentur gefunden, die Psychologen vermittelt …

Auch für Viktoria Balensiefen (ideale Agentur) gehöre ich nicht zur Zielgruppe für ihre Kunden. Allerdings hat sie mir im Anschluss an das Barcamp erzählt, dass immer mehr Fachkräfte verschiedener Berufsgruppen über Personalvermittlungen gesucht und vermittelt werden. Es besteht also für alle Hoffnung, gefunden und vermittelt zu werden.

Ein paar Tipps, die Viktoria uns gegeben hat, damit es für Recruiter leichter wird, die passenden Menschen zu finden, ganz unabhängig vom Beruf und Branche:

  • Kenne deine Stärken – dazu empfiehlt Viktoria den Test auf Worklifestyle, den ich noch nicht näher getestet habe.
  • Echte Stärken sind die, die uns von Mitbewerbern unterscheiden. Teamfähig und Lust auf Arbeiten, sind Grundvoraussetzungen
  • Kenne das Setting, dass du für dich brauchst. Passt du eher in einen großen Konzern oder in ein Startup, irgendwas dazwischen? Je besser du weißt, was zu dir passt, umso effektiver die Suche bzw. Vermittlung.
  • Nutze Xing und LinkedIn.
  • Deine Profile brauchen Hardfacts – Frauen neigen dazu in ihr Profil Dinge rein zu schreiben, die zeigen, das sie nett sind. Recruiter brauchen Jobskills (Siehe Linkempfehlung).
  • Inspiration für Jobprofile findet man bei Kollegen
  • In Lebensläufe gehört bei mindestens den letzten beiden Stellen rein, was deine Aufgaben und was Erfolge waren.
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Weitere Beiträge

für meine Verhältnisse bin ich spät dran. Das hat normalerweise den Vorteil, dass man viele andere Beiträge verlinken kann. Leider konnte ich dazu noch nicht viel finden. Mädels schreibt über das, was ihr erlebt habt! Ich verlinke gerne noch nachträglich.

Rosi war auch mit dabei und hat ein paar Zeile über Barcamps geschrieben. Der eigentliche Bericht über das Frauenbarcamp steht noch aus. Wir sehen uns spätestens auf dem Bussiness-Barcamp wieder.

To be continued …

Sherlock Holmes in zwei Varianten

Sherlock Holmes - Das Zeichen der Vier ~ Arthur Conan Doyle

Sherlock Holmes – Das Zeichen der Vier ~ Arthur Conan Doyle

Meine Erkundung des Angebotes an Büchern in „einfacher Sprache“ begann mit einem Roman von Marion Döbert. „Papierkind“ wurde direkt in einfacher Sprache verfasst. Alternativ gibt es Romane, die vereinfacht wurden. Zum Vergleich habe ich mir den Sherlock Holmes Roman „Das Zeichen der Vier“ vorgenommen, eine Geschichte die mir bereits bekannt, aber nicht mehr im Detail vertraut ist.

Das Zeichen der Vier

Unabhängig von der Version ist es dieselbe Geschichte, die uns Watson erzählt. Er und Sherlock Holmes werden von einer jungen Frau aufgesucht und um Rat gebeten. Mary Morstan bekommt jedes Jahr von einem Unbekannten eine Perle, nun will sich der Unbekannte mit ihr Treffen. Keine Polizei, aber zwei Freunde darf sie mitbringen. Es ist die Geschichte ihres verstorbenen Vaters, ein Teil seiner Vergangenheit, die endlich ans Licht kommt.

Kein alltäglicher Kriminalfall in London am Ende des 19. Jahrhunderts. Geheimnisse, ein Schatz, Krieg und Gefangenenlager, ein aktueller Mord und jemand findet die Liebe seines Lebens …

Original versus Einfache Sprache

Als erstes habe ich die Geschichte im Original – vielmehr der Übersetzung – gelesen. Die Lektüre verteilte sich auf zwei Tage. Es fehlte nur das etwas längere letzte Kapitel, welches ich am zweiten Tag gelesen habe. Mit einigen Stunden Abstand habe ich mir dann die Version aus dem „Spaß am Lesen Verlag“ vorgenommen.

Die Geschichte ist erstaunlich nah am Original. Und doch ist sie kürzer und leichter lesbar. Wie kann das funktionieren?

Es wurde gekürzt und ein wenig vereinfacht und doch sind alle wichtigen Details in der „leicht lesbaren“ Version enthalten. Ein gravierender Unterschied ist die Erzählperspektive. Erfahren wie bei Arthur Conan Doyle die Geschichten Sherlocks aus der Sicht von Doktor Watson, ist die Version in einfacher Sprache aus einer auktorialen Erzählperspektive geschrieben.

Was fehlt also?

Gänzlich fehlt Sherlocks Drogengeschichte. Diese spielt im Original sowohl am Anfang, bevor Mary, die neue Klientin kommt und nach der Aufklärung des Falles eine Rolle. Dieses Detail verleiht Sherlocks Charakter eine spezielle Tiefe, dennoch hat das Fehlen keinen Einfluss auf die Geschichte des Falls „Das Zeichen der Vier“.

Gekürzt wurden vor allem die Dialoge, Beschreibungen der Personen und Orte. Dabei entsteht ein klarer Effekt: Alles wird noch stärker auf das wesentliche begrenzt und das passt ganz charmant zum fokussierten Sherlock Holmes. Seine Art zu denken und logisch zu schlussfolgern kommt wunderbar zur Geltung, ohne dass der Fall zu offensichtlich wird, was meine Sorge war. Auch beim zweiten Lesen, war die Geschichte erneut spannend für mich.

Eines ist allerdings unverzeihlich. Eines der bedeutsamsten Zitate von Sherlock Holmes, welches in der Originalversion der Geschichte zweimal vorkommt lautet:

Wenn man alles Unwesentliche ausschließt, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein. (frei zitiert, da ich die Stelle nicht wiederfinde)

Dieser Satz fehlt. Für mich ist es die Grundlage seiner Denkweise, die ich für sehr inspirierend halte. Auf Details achten, die Wahrnehmung schärfen und so zum richtigen logischen Schluss kommen. Athelney Jones ist ein deutlicher Kontrast zu ihm. Zunächst sieht er nur das Offensichtliche und kommt zu einem völlig falschen Schluss, ist dafür sehr fleißig, wenn es darum geht Verdächtige zu verhaften. Schließlich kommt er gar nicht weiter und bitte Sherlock um Hilfe.

Sherlock Holmes für alle

Sherlock Homes ist mir zum ersten Mal als Kind begegnet. Die erste Begegnung an die ich mich erinnere, stammt aus meiner Schulzeit. Mir wurde die Geschichte „Das gefleckte Band“ vorgelesen. Je nach Übersetzung ist es auch das getupfte oder gesprenkelte Band. Ich erinnere mich nicht an die Details des Falles, so geht es mir meistens. Es ist Sherlock Holmes und seine Denkweise, die mich fasziniert haben. Seine Art Dinge streng logisch zu betrachten, Details wahrzunehmen und sinnvoll miteinander in Verbindung zu setzen.

Er ist eine starke und außergewöhnliche literarische Figur, die mir gerne immer wieder begegnen darf. Bücher, Geschichten, Filme, Serien, Computerspiele. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten Sherlock Holmes kennen zu lernen. Es freut mich sehr, dass es ihn auch in einfacher Sprache zu lesen gibt. Sherlock Holmes ist nicht nur etwas für Krimi-Fans! Er ist eine Persönlichkeit, die es wirklich lohnt kennen zu lernen!


Das Buch wurde mir vom “Spaß am Lesen Verlag” zur Verfügung gestellt.

Sherlock Holmes Das Zeichen der Vier (Link zur Verlagsseite mit Leseprobe)
Arthur Conan Doyle
Nacherzählung: Helene Bakker
Übersetzung: Bettina Stoll
Spaß am Lesen Verlag
Sprachniveau: A2/B1
ISBN: 978-3-944668-39-0

Zum Vergleich habe ich das „Das Zeichen der Vier“ in der deutschen Übersetzung aus Sherlock Holmes Sammlung gelesen:

Sherlock Holmes – Die Romane
Arthur Conan Doyle
Übersetzt von  Heinrich Darnoc, H.O. Herzog und Margarete Jacobi
Anaconda, 2014
ISBN: 978-3-7306-0155-6