Regionales Lesen und Hören

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Ansichten eines Clowns von Heinrich Böll spielt in Bonn

Es war schon dunkel, als ich in Bonn ankam …

Mit diesen Wort beginnt Heinrich Böll sein Werk „Ansichten eines Clowns“ und ich fühle mich gleich zu Hause. Ich lebe in Bonn, genau wie der Clown:

In Bonn verlief immer alles anders; dort bin ich nie aufgetreten, dort wohne ich, und das herangewinkte Taxi brachte mich nie in ein Hotel, sondern in meine Wohnung.

Kennt ihr dieses Gefühl der Vertrautheit, einfach, weil eine Geschichte in vertrauter Umgebung spielt? Ich liebe es, erlebe es allerdings viel zu selten. Das hat glaube ich zwei Gründe:

  1. Ich reise wenig, daher sind mir weniger Orte vertraut.
  2. Die meisten regionalen Romane sind Krimis, die ich eher selten lese.

Nicht überraschend: die meisten der Großstadt-Hörbücher sind Krimis. Kein Genre bevorzugt freiwillig reale Orte so sehr, mag das Lokalkolorit, die typischen Charaktereigenschaften und die Sprache eines speziellen Landstrichs so gern wie die Spannungsliteratur. (Audible Magazin)

Mein eigener Blogroman, eine Urban-Fantasy Geschichte, spielt ebenfalls in Bonn und der Region. Es macht unheimlich viel Spaß, die Figuren an vertraute Orte zu schicken. Es beginnt alles im Sommer in der Rheinaue

Auf meiner Kongress-Reise nach New Orleans war ich in einem kleinen Buchladen direkt neben dem „Lafyette Friedhof“. Dort kaufte ich mir einen signierten Roman, der im French Quarter spielt. Leider habe ich das Buch noch immer nicht gelesen.

Regionale Geschichten als Hörbuch könnten einen noch stärkeren persönlichen Bezug haben. Ein gutes Hörbuch fühlt sich so an, als erzähle einem ein Freund eine Geschichte. So habe ich es beispielsweise mit Bobby Dollar aus „Happy Hour in der Hölle“ von Tad Williams erlebt.

Und Hörbücher bieten den wundervollen Vorteil, dass ein geeigneter Sprecher auch noch den passenden Dialekt einsetzen kann. (Audible Magazin)

Wo spielten meine zuletzt gelesenen oder gehörten Bücher?

Da ich viel Fantasy lese, spielen viele Geschichten an erfundenen Orten. So auch mein aktuelles Hörbuch, welches als klassisches High-Fantasy Werk in einer eigenen Welt spielt.

Gestern habe ich den zweiten Teil zu „13 Das erste Buch der Zeit“ von Rose Snow beendet. Die Geschichte spielt in Kirchbruch. Ich habe auf Google Maps einen Ort mit diesem Namen gefunden, es ist allerdings ein See. Mein Augustbuch im Projekt Bücherschrank spielte in einer Kleinstadt nahe New Orleans. Zu Fantasy/Dystopie an bekannten Orten fällt mir die Palace-Saga von C.E. Bernard ein, die sowohl im zukünftigen London, als auch in Paris spielt. Die Autorin lebt derzeit in Bonn, wo ich ihr auch bereits begegnet bin, vielleicht schreibt sie ja auch mal einen Roman, der hier spielt.

Großstadtflair in Romanen

London, Paris, New Orleans – gerade große Städte bieten eine großartige Kulisse. Doch was ist mit deutschen Städten? Im Audible Magazin bin ich auf eine interessante Recherche gestoßen: Wenn eine Stadt mit mehr als 100.000 Einwohnern als Großstadt gilt, haben wir in Deutschland 80 Großstädte.

Von den 80 gelisteten Großstädten haben wir in der Audible Bibliothek immerhin 61 gefunden, die in Hörbüchern „mitspielen“. (Audible Magazin)

Genauere Zahlen werden leider nicht verraten, auch keine Hitliste angegeben, welche Städte die beliebtesten Schausplätze sind, offenbar spielt die Einwohnerzahl aber eine entscheidende Rolle, wie das folgende Zitat zeigt:

Was unsere größten Städte angeht – BerlinFrankfurtHamburgKöln usw. – ist die Auswahl recht groß. Das sind eben bekannte Metropolen von großer Beliebtheit. Schwieriger wird es ab Rang 50, wo sich Städte wie Paderborn, Pforzheim oder Salzgitter durchboxen müss(t)en. (Audible Magazin)

Wie eingangs schon erwähnt ist das häufigste Genre mit regionalen Schauplätzen der Krimi, gefolgt von historischen Romanen, die reale Schauplätze und exakte Zahlen erfordern, um realen oder erfundenen Figuren eine Kulisse zu bieten.

Sind Regiokrimis ein Trend?

Beim Regiokrimi muss ich gleich an die „Eifelkrimis“ denken. Bisher habe ich noch keinen gelesen oder als Hörbuch gehört. Im Buchladen habe ich neulich einen Büchertisch mit regionalen Werken gesehen, offenbar besteht nicht nur bei mir Interesse am regionalen Bezug.

Betrachtet man die Anzahl der Neuerscheinungen dieses Genres auf audible.de, erkennt man ein erstaunliches Wachstum von 300% seit 2012. Während damals nur 48 neue Hörbücher den Weg in unseren Online-Katalog fanden, waren es im vergangenen Jahr beeindruckende 193 neue Titel. (Audible Magazin)

Auf der Audible Hitliste der beliebtesten Regionalkrimi-Regionen bei den Audible Kunden liegt die Eifel auf dem zehnten Platz. Am beliebtesten ist Niederbayern. Dabei machen 99% der Hörbuchverkäufe für Niederbayern die „Franz Eberhofer Reihe“ von Rita Falk aus. Zehn Hörbücher sind in dieser Reihe auf Audible verfügbar. Von der Reihe selbst habe ich noch nie gehört, mir fehlt persönlich auch jeglicher Bezug zu Niederbayern. Im ersten Eindruck muss ich gleich an die „Xavier Kieffer Reihe“ von Tom Hillenbrand denken – Regiokrimis mit kulinarischem Bezug. Die Reihe ist auf Audible verfügbar, hat es aber mit der Region Luxemburg nicht in die Top Ten geschafft. Tom Hillenbrand findet sich auch nicht in den Top Ten der bliebtesten Regiokrimi-Autoren bei Audible. Die Liste wird von Rita Falk angeführt. Vielleicht liegt es auch banal daran, dass mit „Bittere Schokolade“ demnächst der sechste Band der Xavier Kieffer Reihe erscheint und Rita Falk ihm fünf Titel voraus hat. Im Audible Magazin findet sich ein lesenswertes Interview mit Tom Hillenbrand. Ich habe ihn auf der LitBlogCon18 als humorvollen Menschen erlebt und so ist auch seine erste Antwort auf die Frage „Warum Luxemburg?“ mit Humor zu nehmen:

Es gibt schon so viele Krimis – Luxemburg war der einzige Ort, der noch frei war. (Audible Magazin)

Mit Hör-Büchern die Welt entdecken

Die Vorstellung von „Bittere Schokolade“ hat mich neugierig auf den Roman gemacht, aber auch neugierig auf die Stadt Luxemburg. Dort bin ich als Kind schon mal gewesen und habe blasse, aber schöne Erinnerungen an die Stadt. Ich denke bei Regiokrimis und Romanen gibt es zwei Zielgruppen, diejenigen, die in der Region leben und diejenigen, die das Genre Krimis lieben und somit neugierig auf die Region werden. Daher halte ich es für sehr empfehlenswert, wenn die Tourismusbranche mit ihren regionalen Autoren zusammen arbeitet.

Stell dir vor, du fährst in einen Kurzurlaub und entdeckst neue Orte, während du dabei eine spannende Geschichte hörst, die in dieser Region spielt. Mir gefällt das und damit bin ich bestimmt nicht allein. Daggi vom Blog „Daggis Welt“ macht derzeit eine literarische Reise durch Deutschland und liest sich durch die Bundesländer, eine schöne Idee, die zum Nachmachen einlädt.

Welche literarischen Reisen unternimmst du?


Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Audible-Magazin.

FutureCamp18 – Jugend digital

FutureCamp18 - Begrüßung

FutureCamp18 – Begrüßung  v.l: Peter Bröxkes (Amt für Kinder, Jugend und Familie, Stadt Bonn), Johannes Schlarb (Deutsche Telekom Stiftung), Aziza El-Gindi (Bonn Digital) und Sascha Foerster (Bonn Digital)

Ich liebe BarCamps. Das FutureCamp ist ein BarCamp und doch anders. Es ist ein BarCamp für Jugendliche. Dort wird nicht über sie geredet, sondern mit ihnen und vor allem wird ihnen ein Rahmen gegeben, sich selbst zu digitalen Themen auszutauschen. Nur wenige Erwachsene hatten Zutritt und ich hatte das große Glück dabei sein zu dürfen! Das FutureCamp18 fand am 22. September 2018 im Haus der Jugend Bonn statt, initiiert von der Telekom Stiftung und der Stadt Bonn, veranstaltet von Bonn Digital.

Format BarCamp für Jugendliche

Es war bereits das zweite Jugend-BarCamp in Bonn und garantiert nicht das letzte! Zielgruppe waren Jugendliche aus Bonn und Umgebung zwischen 12 und 21 Jahren.

Lernt Digital-Profis kennen, übt Programmieren und probiert Virtual Reality aus. Mit euch gemeinsam gestalten wir das Programm! (Veranstaltungsseite)

Wie es sich für ein BarCamp gehört, gestalten die Teilnehmer das Programm! Jeder kann ein Thema vorschlagen, eine vorbereitete Session halten, oder eine Frage stellen, die gemeinsam diskutiert wird. Eine Besonderheit des FutureCamps war, dass sich bereits im Vorfeld ein paar Erwachsene gefunden haben, die etwas anbieten würden. Doch auch wir mussten unsere Ideen bei der Session-Planung vorstellen und das Interesse abfragen!

Aufregend war für viele sicher die Vorstellungsrunde. Ich weiß, wie sehr es manche Erwachsene stresst, kurz aufstehen zu müssen, den eigenen Namen und drei Hashtasgs zu nennen. Die Jugendlichen haben das großartig gemacht und es war spannend. Erwachsene nennen meist ihre berufliche Ausrichtung, Projekte, Themen mit denen sie zum BarCamp gekommen sind. Die Jugendlichen nennen ihre Interessen und Hobbys.

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Ich bin ein kleiner Komet und du?

So lautete das Thema meiner Session. Es ging um das eigene „Ich im Netz“, ein offenes Diskussionsangebot, ohne belehren zu wollen. Ein wichtiges Thema, aber deutlich weniger attraktiv als Gaming, VR-Technik, Programmieren, 3D-Druck oder beliebte YouTuber persönlich treffen und von ihnen zu lernen. Das waren einige der anderen „erwachsenen“ Angebote.

Bereits im Vorfeld habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie ich das Thema interessant darstellen könnte. Tja und dann stand ich da und niemand meldete sich, als das Interesse abgefragt wurde. Macht nichts, ich bekam trotzdem einen Raum und es wurde eine sehr kleine, aber schöne Gesprächsrunde. Und das bei elf parallelen Angeboten!

Im Vorfeld hatte ich mir einige Fragen und Impulse überlegt, über die wir diskutieren könnten, je nach Interessen und Erfahrungen der Teilnehmer. Die konnte ich auch gut gebrauchen. Laptop hatte ich ebenfalls dabei, um die Möglichkeit zu haben, verschiedene Profile im Netz anzusehen.

Die tatsächlich stattgefundene Session möchte ich nicht im Detail berichten, dafür war es zu persönlich. Meine Idee werde ich weiter entwickeln.

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Storytelling mit Lucas

Ein nicht so beliebtes Angebot zu haben, hatte einen Vorteil, ich konnte mehr vom FutureCamp miterleben. So startete ich den Tag mit Lucas. Er ist 15 Jahre alt und macht geniale Fotos. Schaut euch mal sein Instagram-Profil an. Konzerte besucht er übrigens schon sehr lange und gerne mit seinem Vater. Künstler und Magazine engagieren ihn bereits.

Lucas hat ein gutes Auge und ein Gespür für szenische Darstellung. Geschichten mit Bildern erzählen war sein Angebot. Er war gut vorbereitet, gab eine knappe theoretische Einführung und zeigte einige Bildbeispiele.

Dann hatte er eine interessante Aufgabe für uns: Wir sollten eine Geschichte erzählen, in ca. 10 Bildern, dabei mit einem Objekt beginnen und durch freie Assoziation weitere Motive finden …

Es hat Spaß gemacht und gab mir die Gelegenheit einige Eindrücke aus den anderen Sessions zu sammeln. Mein Ergebnis:

 

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Ein Kranich entdeckt das #futurecamp18 . #Storytelling mit @lucas_photoblog – danke dir für die #Inspiration . #Fotografie #coding #3ddruck #Freundschaft #Assoziation

Ein Beitrag geteilt von Stephanie Bloggerin (@kleiner_komet) am

Danke für den Input und die Inspiration!

Pizzaschlacht

Um 13 Uhr gab es im großen Saal Pizza und Salate.

Ich liebe Pizza!

Pizza und viele gute Gespräche, das war fantastisch!

Bild 7 von Sascha auf Instagram

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

#Futurecamp18. Mehr als ein Hashtag…

Ein Beitrag geteilt von Sascha Foerster (@sascha_foerster) am

Youtube

Julian „Julez“ Weissbach ist YouTuber, war beteiligt an den erfolgreichen Formaten Ponk und Snoozze. Inzwischen gibt er Workshops, berät YouTuber und Unternehmen. Unter anderem hat er mit Bianca (Bibis Beauty Palace) zusammen gearbeitet.

FutureCamp18 Julez

Julez und Sascha bei den Vorbereitungen zur YouTube Session

Sein Workshop war eine gute Mischung aus seiner eigenen Geschichte, Beispielen und guten Tipps für alle, die selbst Videos machen möchten. Es ist verdammt viel Arbeit!! 14 bis 18 Stunden für ein 3-Minuten Video. Dreh plus Schneiden! Viel zu beachten gibt es ebenfalls, insbesondere, wenn Menschen im Video zu sehen sind. DSGVO hat das nicht einfacher gemacht. Dabei reicht es nicht hin und wieder mal ein Video zu machen und es hochzuladen, wenn man so weit ist. Regelmäßiger Content, idealerweise 1 bis 2 Videos pro Woche zu festen Zeiten (gilt auch fürs Bloggen)!

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Ein Erfolgsrezept ist die Zusammenarbeit mit bereits bekannten Personen, was natürlich nicht jedem möglich ist! Im ersten Video von Ponk trat Roberto Blanco auf, kannte übrigens von den Jugendlichen keiner. Roberto hatte eine starke Reichweite, als er 2012 das Video teilte und so bekam es sehr schnell sehr viele Klicks.

YouTube

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Ein wichtiger Rat an alle, die überlegen auf YouTube zu starten kam von Leeroy Matata (YouTube), der ebenfalls zwei Sessions zum Thema YouTube angeboten hat:

Wenn du Angst vor Hatern oder Mobbing hast, lass die Finger von YouTube. (frei zitiert aus seiner InstaStory, Instagram-Profil).

Der Rat stand über einem Bild mit Beispielen, die er regelmäßig zu lesen bekommt. Leeroy ist sitzt im Rollstuhl und ist schwarz, zwei Angriffspunkte – dämlich, aber manche Menschen ticken leider so. Sie wollen ihn gar nicht näher kennen lernen, das Urteil fällt mit dem ersten Blick. Leeroy ist ein netter Kerl, sehr offen und herzlich. Wir haben uns auf dem BarCamp Bonn bereits kennen gelernt.

FutureCamp18 Leeroy Matata

Leeroy Matata

Erfolg auf YouTube hat seine Schattenseiten, mit denen muss man umgehen können. Dies gelingt am besten, wenn man ein gutes Umfeld hat aus dem man viel Bestätigung bekommt und sich dann solche Kommentare nicht zu Herzen nehmen braucht.

Fazit

Es war für mich eine sehr inspirierende und tolle Veranstaltung! Voneinander zu lernen finde ich sehr wertvoll, insbesondere wenn dabei weder Alter, noch Herkunft oder Erfolg eine Rolle spielen. BarCamps bieten die Chance einander auf Augenhöhe zu begegnen. Ich hatte ein paar sehr schöne Begegnungen! Ich bin jederzeit wieder gerne dabei, fände eine Veranstaltung für Erwachsene mit Jugendlichen Referenten ebenfalls toll. Sascha fragte am Ende, wie es für die Jugendlichen gewesen wäre, wenn die Eltern dabei wären – schwierig.

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Das nächste Event ist für den 8.12. im Bonner Norden im Jugendzentrum „Uns Huus“ in Kooperation mit dem Haus Mondial, Caritasverband Bonn e.V. geplant. Schaut einfach auf: https://FutureCamp.digital und seid wieder dabei! #FutureCamp18 (Facebook)

Aziza und Sascha von Bonn Digital beenden das FutureCamp18 im Haus der Jugend

Aziza und Sascha von Bonn Digital beenden das FutureCamp18 im Haus der Jugend

Sonntagsgeschichte Kapitel 47 – Treue Zwerge

Das erste Kapitel findest du hier, du kannst auch von Kapitel zu Kapitel blättern.

letztes Kapitel

Blogroman Sonntagsgeschichte Kapitel 47 - Zwerge

Nachdem Opa Henry seine Geschichte beendet hatte, schwiegen sie eine Weile. Sven kannte die Geschichte bereits, doch nun hatte er sie zum ersten Mal ernst genommen. Es war für ihn eine schöne Geschichte gewesen, die zwar mehr bedeutete, als die anderen Märchen, die er in seiner Kindheit erzählt bekam, aber trotz allem ein Märchen. Ein Märchen zu dem die passenden Steinfiguren im Garten standen. Inzwischen stand seine Welt auf dem Kopf, seine Welt hatte sich um eine ganze Welt erweitert und nichts war mehr so einfach, wie es bisher schien.

Gedankenverloren streckte er die Hand nach dem steinernen Schneewittchen aus. Er berührte ihren Arm, den er als kleiner Junge schon mehrfach berührt hatte. Glatter, kühler Stein. Vertrauter Stein. Die Gesichtszüge der Frau waren ihm ebenfalls vertraut. Als Kinder hatten Jenny, Lukas und er hier viel Zeit verbracht. Sie hatten mit Schneewittchen und den Zwergen gespielt, sich Geschichten ausgedacht. Ob sie ihnen zugehört hatten?

„Woher kommen die anderen Steinfiguren“, fragte Josephine. „Ich meine, sind sie ebenfalls lebendig?“

Opa Henry seufzte und nickte: „Ja, das sind sie. Es ist der Teil, den wir in unserem Familienmärchen meist aussparen. Die Geschichte soll gut bewahrt werden und wird daher allen Kindern der Familie immer wieder erzählt. Dieser Teil bleibt den Eingeweihten vorbehalten. Nachdem der Zwergenprinz seine Magie gewirkt hatte und Schneewittchen versteinert vor ihnen lag, weinten die sieben Zwerge sehr. Sieben Tage nach dem tragischen Ereignis sprachen sie im Schloss vor und baten um eine Audienz beim Zwergenprinzen. Sie hatten ein außergewöhnliches Anliegen, wollten sie doch ebenfalls in Stein verwandelt bei ihrem Schneewittchen ausharren, bis es erweckt werde. So wollten sie Wache halten und ihr das Erwachen erleichtern, würde sie doch sehr wahrscheinlich niemand Vertrauten mehr vorfinden.

Der Zwergenprinz hörte sich diesen Wunsch an und sprach drei Tage mit ihnen. Er erklärte ihnen die Gefahren dieser Magie und der Umstände. So bestünde auch die Möglichkeit, dass Schneewittchen niemals erwacht oder die Bindung der Zwerge nicht stark genug ist, dass sie miterwachen. Doch sie waren bereit das Risiko zu tragen so kamen sie hierher, um ihrem Schneewittchen beizustehen.

Du hast es dir wahrscheinlich schon gedacht, aber ich bestätige es dir gerne, wir sind die Nachfahren von Schneewittchens Tante, somit ruht sie im Kreise ihrer Familie.“

Während Henrys Erläuterungen hatte Josephine ihren Freund beobachtet, der wiederum die Steinfigur beachtete. Sie hatte das Gefühl seine Gedanken sehen zu können, sein Verstehen, dass die Geschichte seiner Kindheit, tatsächlich eine Wahrheit war. Er brauchte Zeit und die ließ sie ihm. „Hey“, erschreckte sie eine Stimme von hinten. Es war Lukas. „Was macht ihr denn hier? Opa, du wirst schmerzlich auf deiner eigenen Geburtstagsfeier vermisst.“

Opa Henry brummelte etwas vor sich hin und sagte schließlich: „Ich komme ja wieder.“ Lukas nickte erleichtert und trat neben Sven. „Was zur Hölle tust du da? Hier steht deine wunderschöne Freundin und du streichelst eine Steinfigur?“ Josephine merkte an seiner Art zu Sprechen, dass er offenbar schon einige Gläser Wein getrunken hatte. Ob er den Kater von gestern überhaupt schon …? Sie konnte den Gedanken nicht zu Ende denken, denn es geschah etwas merkwürdiges.

***

nächstes Kapitel

Bücherschrank – Septemberbuch 2018

Stadt des Scheigens ~Erica Spindler

Stadt des Scheigens ~Erica Spindler

Es ist ein lustiger Zufall, dass mein Septemberbuch im Jahr 2016 ein Mitgebrachtes war und das Buch im September 2018 ebenfalls … Jeden Monat ein Buch aus einem anderen Bücherschrank, da bin ich dankbar für ein wenig Unterstützung. Diesmal haben mir meine Eltern ein Buch aus dem Bücherschrank in Bad Soden mitgebracht, wo sie unterwegs waren. Es soll sehr schön dort sein.

Sie schickten mir ein Foto vom Buch und ich war etwas besorgt, ob das wohl das richtige für mich ist …

öffentlicher Bücherschrank Bad Soden

öffentlicher Bücherschrank Bad Soden

Stadt des Schweigens

Journalistin Avery kehrt nach dem Tod ihres Vaters in ihren Heimatort Cypress Springs zurück, eine Kleinstadt in der Nähe von New Orleans. Kurz vor seinem Tod hat ihr Vater sie noch angerufen, aber sie war gerade auf dem Weg zu einem Informanten. Sie bereut sehr, ihn nicht mehr gesprochen zu haben. Ihr Vater hat scheinbar Selbstmord begangen, aber das kann Avery nur schwer glauben. Während seiner Totenwache wird die Leiche einer jungen Frau gefunden …

Der Thrill-Faktor

Brutale Szenen – egal ob physisch oder psychisch – sind für mich nur schwer zu ertragen. In Filmen und Serien kann ich die Augen schließen, im Buch ist es schwieriger, die Stelle zu überfliegen, aber die relevanten Informationen mitzunehmen. Daher meide ich das Genre Thriller. Und auch bei „Stadt des Schweigens“ wollte ich bereits im Prolog abbrechen.

Der sogenannte „Vollstrecker“ lauert einer jungen Frau auf und verpasst ihr eine Warnung. Bei dem, was er ihr androht feuern meine Spiegelneurone fröhlich und ich folge dem Bedürfnis das Buch zu schließen … Einen Tag später bringe ich den relativ kurzen Prolog zu Ende und entscheide mich dazu, der Geschichte eine Chance zu geben. Vielleicht ist ja nur der Prolog so fies. Ich greife mal vorweg und bestätige euch: so war es und ich habe das Buch bis zum Ende gelesen, immerhin 444 Seiten.

Tatsächlich sind Gewalt und Sex im Buch sehr knapp dargestellt, geben wenig Raum für Kopfkino und Emotionen. Nur am Ende wurde es noch einmal kurz unangenehm. Die Neugier, was und wer hinter allem steht, ließ mich weiter lesen. Habe dabei über eine Woche gebraucht, die Spannung ließ sich sehr gut aushalten, das Buch problemlos unterbrechen. Die kurzen Kapitel luden sogar dazu ein.

Kleinstadtmenschen

Gleich im ersten Kapitel bekomme ich eine gute Vorstellung von Avery. Mit ihr kehren wir nach Cypress Springs zurück und lernen all die mehr oder weniger liebenswerten Kleinstadt-Menschen mit ihren Macken kennen. Es droht keine Gefahr sie zu verwechseln, die Macken sind so eindeutig verteilt.

Es scheint in der Absicht der Autorin zu liegen, sowohl das Südstaatenleben und das amerikanische Kleinstadtleben deutlich herauszuarbeiten. Südstaatenleben bedeutet in diesem Falle konservative Ansichten hinsichtlich der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau. Frauen sollen auf keinen Fall „männliche“ Berufe wählen. Es bedeutet auch den Besitz von Schusswaffen.

Die Kleinstadt liegt in der Nähe von New Orleans, die Großstadt, die als Kontrast zum moralischen Kleinstadtleben steht. Moral, Anstand und brave Hausfrauen sind vorherrschende Werte. Die Geschichte spielt übrigens 2002/2003, ist schon ein wenig her, aber immer noch in diesem und nicht im letzten Jahrhundert. Es scheint, dass gerade das Kleinstadtleben und die Abschottung von Außen, radikale Ansichten fördert. Modernisierung wird ausgeblendet und bekämpft. Als in den 80ern eine Konservenfabrik an den Stadtrand gebaut wurde und zahlreiche Menschen in die Stadt zogen, um dort zu arbeiten, gab es eine große Krise in der Stadt. Das Chaos hielt Einzug, die Ordnung musste wiederhergestellt werden.

Man kennt sich in der Kleinstadt, der eigene Ruf ist wichtig. Doch wer von diesen anständigen Menschen hat die Überzeugung so weit getrieben der Vollstrecker zu werden, um für Ordnung zu sorgen?

Fazit

Es war eine interessante Lektüre, die einen interessanten Blickwinkel auf Moral und Extremismus wirft. Das Ende war ein zugleich verrücktes, aber auch würdiges Finale für die Geschichte. Entgegen meiner zunächst skeptischen Erwartungen habe ich es dann doch mit großem Interesse gelesen.

Einen Kritikpunkt möchte ich noch anbringen: Auf dem Klappentext wird etwas verraten, was meiner Ansicht nach zu viel ist!

Ich wünsche allen, die es nach mir lesen werden ebenfalls interessante Lesemomente!


Stadt des Schweigens

Erica Spindler

Aus dem Amerikanischen von Margret Krätzing

Mira Taschenbuch, 2011

ISBN: 978-3-89941-858-3

Was sind Freiheit und Heldentum?

Der Drachenflüsterer - Die Feuer von Arknon ~ Boris Koch

Der Drachenflüsterer – Die Feuer von Arknon ~ Boris Koch

„Die Feuer von Arknon“ ist der vierte Band der Drachenflüsterer-Saga, ließe sich vielleicht auch ohne die ersten drei Teile lesen, würde ich aber nicht empfehlen. Während die ersten drei Bände nahtlos aufeinander folgen, ist zwischen dem dritten und vierten Band ein wenig Zeit vergangen. Noch eine Besonderheit gegenüber der Trilogie ist, dass eine neue Perspektive hinzukommt, die der Jungfrau Cathe. Auch wenn die Geschichte mit Cathe neu beginnt, geht es natürlich auch um den Drachenflüsterer Ben und seine Freunde, die sich nach wie vor für die Wahrheit über die Drachen einsetzen.

Heldentum und Opferbereitschaft

Für Jungen und Mädchen gibt es in der von Boris Koch geschaffenen Welt unterschiedliche ehrenhafte Lebensziele: Jungen streben danach dem Orden beizutreten und Drachenritter zu werden, Mädchen wollen als Jungfrauen dabei helfen die Drachen zu fangen.

Die Überzeugung ist, dass an Pfähle gefesselte Jungfrauen, die Drachen anziehen, um sie zu fressen. Je hübscher sie sind und je leidenschaftlicher sie schreien, desto effizientere Lockvögel sind sie. Während der Drache sich der Jungfrau in Not nähert, seinem Opfer, tritt der Ritter von hinten an ihn heran und befreit ihn heldenhaft von seinen Flügeln. Die Flügel sind Teil des Fluchs, der auf dem Drachen lastet …

Zweifel an diese Überzeugung sind Gotteslästerung und nicht zulässig.

Freiheit

Freiheit hat viele Bedeutungen und kann je nach Perspektive unterschiedlich gewertet werden.

Drachen sollen vom Fluch befreit werden, um anschließend den Drachenrittern zu dienen. Ben und seine Freunde befreien die Drachen, er gibt ihnen ihre Flügel zurück und somit auch ihre Persönlichkeit. Die kleine Gruppe Menschen wurde dadurch aber zu Geächteten, die per Steckbrief gesucht werden. Sie sind frei in ihrer Meinung, aber nicht frei, sich überall frei zu bewegen.

Die Menschen in den Städten und Dörfern sind nicht frei in ihrer Meinung über die Drachen, fühlen sich in ihrer Unwissenheit allerdings frei.

Eine Trilogie geht weiter

Tatsächlich hatte die Trilogie noch einige Fragen offen gelassen, insbesondere, wie ich in meinem letzten Beitrag schrieb, die Akzeptanz der Wahrheit über die Drachen. Umdenken benötigt Zeit und so ist das Problem auch nach dem vierten Band der Reihe nicht gelöst Vielleicht waren auch bereits mehr Bände geplant. In „Die Feuer von Arknon“ gibt es neben der neuen Perspektive der Jungfrau auch neue Ziele der Gruppe, eine spannende Quest, eingebettet in Legenden  und ein gefährliches Abenteuer. Dieses ist in sich abgeschlossen, während die Hauptgeschichte weiterhin Potential für weitere Bände hat.

Fazit

Die Drachenflüsterer Reihe ist eine tolle Fantasy-Reihe für Drachenfans. Sehr gut geeignet für jüngere Leser, die sich in ein großes Abenteuer stürzen möchten. Nachdem ich „Die Feuer von Arknon“ leider sehr lange habe liegen lassen, habe ich die Geschichte in zwei Tagen ausgelesen. Der Schreibstil liest sich wunderbar leicht und flott. Die Spannung ist angenehm, gut aushaltbar.


Das Buch wurde mir über das Bloggerportal von RandomHouse zur Verfügung gestellt.

Der Drachenflüsterer – Die Feuer von Arknon (Link zur Verlagsseite mit Leseprobe)
Boris Koch
heyne fliegt
ISBN: 978-3-453-27104-3