10. Buch: Die Welle

Die Welle – Morton Rhue

„Die Welle“ von Morton Rhue habe ich in der Normandie gelesen. Auf einer Reise, auf der ich mich an den Kriegsschauplätzen befinde und während der ich einiges über den D-Day gelesen habe. Ok, die Welle hat nicht direkt mit dem Krieg zu tun, aber es geht um die Nazizeit.

Die Welle, ein Experiment eines engagierten Lehrers, der seinen Schülern zeigen will, wieso sich keiner – oder nur wenige – gegen Hitler aufgelehnt hat. Und das Erschreckende ist, dass dieses Experiment auf einer wahren Begebenheit beruht und zu gut verläuft….

„Warum hat denn keiner versucht die Nazis an dem zu hindern, was sie taten?“

Auf diese Schülerfrage hat der Lehrer nicht wirklich eine Antwort. Er spricht von Angst, von Unwissenheit, aber ist selber mit seinen Antworten unzufrieden. Er fragt sich:

War das Verhalten der Mehrheit während der Naziherrschaft wirklich so unerklärlich?

und so kommt ihm der Gedanke:

Wenn es ihm gelänge, eine treffende Situation (in Bezug auf Nazi-Deutschland) zu erfinden, könnte er damit die Schüler wirklich weit stärker beeindrucken als mit allem, was Bücher erklären könnten.

Vor allem da er ja auch in den Büchern keine zufriedenstellende Erklärung gefunden hatte …

Sein Experiment beinhaltet vor allem :

  • Macht durch Disziplin
  • Macht durch Gemeinschaft
  • Macht durch Handeln

= die Welle

Alle sind gleich, grüßen sich, es gibt keine Außenseiter mehr und keine Stars und es scheint zunächst eine gute Sache zu sein, bis sie eskaliert….

Die Welle, ein Jugendbuch, das in einer ganz normalen Schule mit ganz normalen Schülern spielt: Da ist die frustrierte Chefredakteurin der Schülerzeitung, die sich ärgert, weil niemand die Zeitung ernst nimmt und die Beiträge immer zu spät eintrudeln, der Star der Footballmannschaft, der sich ärgert, dass sein Team aus Einzelkämpfern ständig verliert, der Außenseiter und natürlich auch ein verliebtes Pärchen….

Jeder kann sich irgendwo wiederfinden.

Das Buch liest sich flüssig und wenn es nicht diesen realen Hintergrund hätte, würde man es vielleicht als nettes Buch zurück ins Regal stellen und nicht weiter drüber nachdenken.

Aber das Buch ist leider zeitlos aktuell.

Auf der Sehnsucht nach einem Dazugehörigkeitsgefühl lassen sich auch heute junge Menschen beeinflussen und anwerben…

Ich arbeite in einem Altenheim, wo der Krieg natürlich immer wieder Thema ist.  Die Frauen haben eigentlich fast alle erzählt, dass ihre Zeit in der Hitler-Jugend eine gute Zeit war. Es wurde viel unternommen, man gehörte dazu, hatte eine schicke Uniform und über das Politische wurde dabei nicht nachgedacht. Außerdem habe Hitler ja anfangs auch viel Gutes getan.

Die Welle ereignete sich 1969 und natürlich stellt sich die Frage, ob so etwas heute auch noch möglich wäre.

Ich ertappe mich bei Suchen  nach Ausflüchten wie: es hat nur geklappt, weil der Lehrer so besonders beliebt war und tröste mich damit, dass Laurie ja auch recht schnell etwas dagegen unternommen hat, aber je länger ich drüber nachdenke, ja, etwas in der Art ist sicher auch heute denkbar.

Vielleicht nicht unbedingt im Rahmen einer Schulklasse, aber dank Internet gibt es ja ganz andere Möglichkeiten…

„Und ja, ich verhaue dich, wenn du nicht mitmachen willst…“,

auch so etwas gibt es in Schulen sicher häufiger als uns lieb ist.

Die Welle, ein erschreckendes Buch, ein Buch, das es wert ist ist im Unterricht besprochen zu werden, denn ich weiß nicht ob die Botschaft, wenn ein Jugendlicher das Buch für sich liest, genügend rüber kommt.

Weissewolke

Junge Oma mit viel Lesezeit auf Wohnmobil-Reisen. Angesteckt von der Klassik-Challenge möchte sie euch an ihrer eigenen teilhaben lassen.

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